Rudolf Brenner über Altgold

In deutschen, Schweizer und österreichischen Haushalten lagern Tonnen von geerbtem oder geschenktem Schmuck, der nicht mehr getragen wird, aber eine schöne Geschichte zu erzählen hat. Über die Möglichkeiten, sich zur richtigen Zeit von diesen Stücken zu trennen und deren „innere“ Werte dennoch hochzuhalten, spricht philoro-Geschäftsführer Rudolf Brenner.

philoro-Geschäftsführer Rudolf Brenner über Altgold
philoro-Geschäftsführer Rudolf Brenner spricht über die Möglichkeiten, Altgold neuen Wert zu verleihen
© Matt Observe

Gibt es Schätzungen, wie viel Altgold in österreichischen, deutschen und Schweizer Haushalten liegt?

Rudolf Brenner: Das lässt sich schwer schätzen – allerdings hat eine Studie, die im Frühjahr 2021 veröffentlicht wurde, ergeben, dass allein in Deutschland rund 3.898 Tonnen Goldschmuck in privaten Haushalten schlummern. Also keine unbeträchtliche Summe – und hier sprechen wir nur von Schmuck.

Viele haben ja eine gewisse Hemmung, ihr Altgold zum Händler zu tragen, weil es oft mit der eigenen Familiengeschichte verbunden ist. Gibt es ein paar „goldene Regeln“, wie man selbst checken kann, ob man sich nun wirklich von bestimmten Erinnerungsstücken trennen will oder nicht?

Altgold hat meistens einen emotionalen Wert. Es passiert nicht selten, dass Kunden in unsere Filiale kommen, um ihr Altgold schätzen zu lassen – und uns ihre persönliche Geschichte dazu erzählen. Bei den Schmuckstücken handelt es sich oft um ein Erbstück von der Oma oder Uroma, oder es ist einfach ein Geschenk , das dem Kunden nicht mehr gefällt und deswegen kaum getragen wird. Eine goldene Regel gibt es in der Hinsicht leider nicht. Eine bei unseren Kunden beliebte Möglichkeit ist es, den Gegenwert des Erinnerungsstückes direkt in einen Barren oder in eine Münze umzuwandeln. So bleibt der „innere“ Wert erhalten und kann den zukünftigen Kindern oder Enkelkindern ebenfalls vererbt werden. Es bleibt also in der Familie.

Viele bringen ihr Altgold zu uns, weil sie sich einen kleinen Traum erfüllen möchten.
Mag. Rudolf Brenner, philoro-Geschäftsführer

Wie sehr hat sich der diesbezügliche „Markt“ geändert: Sind es nach wie vor in erster Linie Menschen in Notsituationen, die ihr Altgold verkaufen – oder ist es mittlerweile ähnlich wie in der Mode, wo man Designerstücke, die sozusagen „ausgetragen“ sind, in den Vintagestore bringt?

Sowohl als auch. Viele bringen ihr Altgold auch zu uns, weil sie sich einen kleinen Traum erfüllen möchten – sie sparen zum Beispiel für eine Reise, die sie schon lange planen und „polstern“ mit dem gebrachten Altgold ihre Geldbörse auf. Andere wiederum nutzen die Gelegenheit und tauschen ihren nicht mehr getragenen Schmuck oder manchmal auch Dentalgold in Anlagegold.

Was passiert in einem ersten Schritt mit dem Altgold, das man zu philoro trägt? Kann man dies jederzeit und ohne Anmeldung tun?

Sie können Ihr Altgold jederzeit persönlich und ohne Voranmeldung in eine unserer Filialen bringen. Die Prüfung selbst dauert nur wenige Minuten und erfolgt mit Hilfe eines Röntgenfluoreszenzspektrometers. Mit dieser Prüfmethode können wir die genaue Zusammensetzung der enthaltenen Metalle transparent darstellen.
Eine andere Möglichkeit bietet unser Online-Altgoldrechner . Hier können unsere Kunden in nur drei Schritten ihr Altgold schätzen lassen. Um eine erste Schätzung zu bekommen, müssen das entsprechende Edelmetall, die Legierung und das Gewicht angegeben werden – der Altgoldrechner ermittelt automatisch den aktuellen Wert.

Was passiert mit dem meisten Altgold: Wird es für Schmuck weiterverarbeitet, in der Medizin, in Münzen?

Altgold kann wieder zu Schmuck oder klassischem Anlagegold in Form von Barren und Münzen weiterverarbeitet werden. Oder es wird zu Halbzeug für die Weiterverarbeitung in der Industrie aufbereitet. Und ja, recyceltes Altgold findet man auch in der Medizin, also zum Beispiel in der Medizintechnik. Vor allem Gold, Silber und Platin sind aufgrund ihrer Eigenschaften unverzichtbare Rohstoffe in diesem Bereich geworden.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Altgold zu verkaufen?

Der Altgoldpreis ist an den Goldspotpreis gekoppelt. Das bedeutet, wenn der Goldpreis steigt, steigt auch der Wert von zum Beispiel geerbtem Schmuck. Wir sehen hier also auch in der Nachfrage einen klaren Trend – steigt der Goldpreis, wird tendenziell mehr Altgold von den Kunden verkauft.


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