Ronald Stöferle & seine Faszination für Gold

Er kommt aus Wien und bringt einmal im Jahr den berühmtesten Goldreport der Welt heraus. Doch wer ist Ronald-Peter Stöferle, der Mann mit dem sechsten Sinn für Gold?

Ronald-Peter Stöferle im Interview zum Thema Gold
Ronald-Peter Stöferle ist Herausgeber des weltweit meistgelesenen Goldreports und begeistert in seinen Vorträgen mit Leichtigkeit und Witz
© MAYR Elke / WirtschaftsBlatt / picturedesk.com

Er ist kein Mann der großen Umschweife. Den Vortrag, den Ronald-Peter Stöferle im April 2020 anlässlich der „7. Deutschen Rohstoffnacht“ hielt, leitete er gleich mit seiner Conclusio ein: „Alle Wege führen zum Gold“. Das Gute an dieser Botschaft ist: Es gibt daran nichts misszuverstehen. So ein Sager sitzt natürlich in unsicheren Zeiten, wie wir sie seit letztem Jahr durchleben. Gold reagiere gern auf Vertrauensverlust, betont Stöferle. Das war nach der Leman Brother’s Pleite im Jahr 2008 so; dieser Wochen und Monate sei die Situation vergleichbar: „Ich kann mir eine ähnliche Performance des Goldes wie damals vorstellen“.

Weltweit meistgelesener Gold-Report

Gold reagiert also auf Vertrauensverlust – und Ronald-Peter Stöferle reagiert auf Gold: Seit 2006 bringt er einmal im Jahr den Fachbericht „In Gold We Trust“ heraus. Rund 20.000 Stunden Arbeit stecken alljährlich in dem mehr als 300 Seiten dicken Report, den er gemeinsam mit seinen Partnern der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum in mehrmonatiger Knochenarbeit erstellt. Es ist die meistgelesene Gold-Studie weltweit – mittlerweile erscheint sie nicht mehr nur auf Deutsch und Englisch, sondern auch auf Mandarin.

Wer Stöferle einmal reden gehört hat, kann sich gar nichts anderes mehr vorstellen, außer in Gold zu investieren!
Eventteilnehmerin Goldkongress München

Vorträge mit Goldwert

Sein Wissen versteht er gekonnt nach außen zu tragen. Seine Auftritte beim alljährlichen Goldkongress in München sind mittlerweile legendär. Mit Leichtigkeit und Witz referiert er dann über das Edelmetall, zieht gern Parallelen zum Fußball, etwa zu Legende Franz Beckenbauer oder zum österreichischen Meisterspieler Robert Pecl. „Wer Stöferle einmal reden gehört hat, kann sich gar nichts anderes mehr vorstellen, außer in Gold zu investieren!“, schwärmt eine Teilnehmerin des Events 2019. Obwohl Stöferle auf seinem Gebiet ein Weltstar ist – seine Vorträge sind teilweise auf YouTube nachzuhören –, bereitet ihm solch Feedback echte Freude. „Ich bin komplett angestrebert, was Gold betrifft“, lacht er. Keine Frage, er versteht es, vorzutragen – und tatsächlich kann man sich seiner Begeisterung, die er mit Fakten und enormen Fachwissen kompetent anfüttert, nur schwer entziehen.

Seit der Kindheit von Gold fasziniert

Doch woher stammt die Faszination des 1980 geborenen Wieners, der als eines seiner Lieblingsbücher „Die Welt von Gestern“ von Stefan Zweig angibt? „In Österreich wird man schon als junger Mensch in diese Richtung geprägt“, erzählt er, „wenn man zu diversen feierlichen Anlässen Goldmünzen von den Großeltern geschenkt bekommt. Gold wird einem hierzulande im wahrsten Sinn des Wortes in die Wiege gelegt“.

Ronald Stöferles steiler Weg nach oben

Sein Werdegang liest sich wie der Steckbrief von jemanden, der sich schon früh den inneren Auftrag erteilt hat, die Top-Liga zu erklimmen: „Ich habe von klein auf Unternehmertum erlebt, wusste schon früh, dass ich auf die Handelsakademie gehen wollte“. Mit 13 Jahren hatte Stöferle seine erste Aktie gekauft, mit 17 seine erste Kolumne im „Börsenkurier“ veröffentlicht. Später folgten Betriebs- und Finanzstudium an der Wirtschaftsuniversität Wien und an der University of Illinois at Urbana Champaign, die unter den 100 besten Universitäten der Welt rangiert. Er spezialisierte sich auf „Investmentbanking und Katallaktik“ – darunter versteht man die Lehre von der Wirkung von Marktinteraktionen – sowie „Bank- und Kreditwirtschaft“ und nahm 2008 und Folgejahren an mehreren Kursen über die Österreichische Schule der Nationalökonomie teil. Parallel dazu arbeitete er bereits für die Raiffeisen Zentralbank (RZB). 2006 trat Stöferle in die Erste Bank ein, zuerst als Analyst für internationale Aktien, danach als Experte für Commodity Märkte, also Rohstoffhandel und den Handel mit Primärprodukten. Noch im selben Jahr publizierte er seinen ersten Gold-Report – und wurde von dessen Erfolg wohl selbst überrollt.

Ronald-Peter Stöferle spricht über die Highlights aus dem im Mai 2021 erschienenen "In Gold We Trust"-Report

Internationales Interesse geweckt

Internationale Medien wie Bloomberg, CNBC oder das Wallstreet Journal griffen Stöferles Abhandlungen auf. „Plötzlich musste ich Live-Interviews geben auf Bloomberg und CNBC, das war für einen jungen Mann ein bisschen viel“, erinnert er sich. Für seinen Arbeitsgeber wurde er über Nacht zum Star-Analysten. Dieser ganze Rummel überraschte ihn bis zu einem gewissen Grad – allein deshalb, weil er zuvor oft genug in langgezogene Mienen blicken musste, wenn er anderen erzählte, dass er sich im Speziellen für die Währung Gold interessierte.

Goldenes Storytelling

Seine Stärke war allerdings schon damals: Jenen, die ihm zuhören wollten, präsentierte er „sein“ Thema facettenreich. Mit dem richtigen Storytelling gelang (und gelingt) es ihm, Anknüpfungspunkte herzustellen: „Es gibt so viele spannende Aspekte rund um Gold: Was machen die Notenbanken damit? Was tut sich geopolitisch? Wie entwickeln sich Minen-Aktien? Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Gold und Inflation? Welche Rolle spielte Gold in der Bibel, im Römischen Reich, welche historischen Verkettungen gibt es?“. Mit der Zeit merkte Stöferle: „Gold ist niemandem egal. Es hat nicht nur viele Geschichten zu erzählen, sondern es hat auch jeder dazu seine ganz eigene Geschichte zu erzählen“.

Gold ist ein phantastisches Investment als Absicherung in einer Rezession, Schutz vor Inflation und schwindenden Realzinsen
Ronald-Peter Stöferle, Fondsmanager & „In Gold We Trust“-Herausgeber

In Gold we Trust – Vertrauen in Gold

Und noch etwas wurde ihm im Laufe der Jahre bewusst: „Ich habe erst später begriffen, wie gut der Titel ,In Gold we Trust‘ ist, denn er vermittelt, dass es vor allem um Vertrauen geht. Vertrauen in die Politik, Vertrauen in die Demokratie, denn die leidet, wenn die Polarisierung der Gesellschaft so weitergeht, Vertrauen in unser Geldsystem – und eben Vertrauen in Gold“. Dass Letzteres derzeit besonders ausgeprägt ist, belegen allein die Zahlen: Gold wird am Tag im Umfang von etwa 260 Milliarden US-Dollar gehandelt.

Goldhoch noch lange nicht erreicht

„Gold ist ein phantastisches Investment als Absicherung in einer Rezession, Schutz vor Inflation und schwindenden Realzinsen“, erläutert Stöferle. Seinen Ausführungen zufolge, befinden sich die westliche Welt gerade in der Konjunkturphase drei bis vier, also zwischen Rezession und Depression. Dass Letztere kommen werde, davon ist er überzeugt – genauso wie von der Annahme, dass Gold noch lange nicht den Plafond erreicht habe.

Seinen Vortrag bei der Münchener Edelmetall- und Goldmesse beendete Stöferle übrigens mit der schlichten Prognose: „The Dawn of a Golden Decade“, zu Deutsch: „Wir stehen in der Morgendämmerung des Goldenen Zeitalters“.


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