Gold oder Silber? Der Anlagevergleich

Für Anleger stellt sich die Frage, ob Gold oder Silber als Anlagemetall besser geeignet ist. Es gibt jedoch keinen eindeutigen Gewinner. Weshalb sollte man sich überhaupt für ein Edelmetall entscheiden?

Investment in Edelmetalle Gold und Silber
Die Investion in Gold oder Silber dient der langfristigen Geldanlage. Doch welche Unterschiede sind bei den beiden Edelmetallen zu beachten?
© philoro

Silber: Ein attraktiver zweiter Platz

Es wurde „nur“ der zweite Platz und damit bekommt die Sportlerin die Silbermedaille umgehängt, für die Siegerin gibt es Gold . Nicht nur bei Olympischen Spielen, auch bei Investoren und Sparern ist Silber zweiter Sieger, wenn es um die attraktivsten Edelmetalle geht – Gold glänzt eben doch am schönsten. Dabei hat Silber durchaus seinen Reiz: Der Preis geht langfristig nach oben, es entwickelt sich in dieser Hinsicht ähnlich wie Gold und wird von Investoren gerne als Krisenwährung genommen. Das beweist, dass es nach Ansicht von Anlegern als gute Beimischung fürs Portfolio gesehen wird und weniger als Industriemetall.

Silber in der Industrie

Dabei wäre genau das die eigentliche Stärke des Schwermetalls. Abgesehen von der Verwendung für die oben erwähnten Medaillen, für Schmuck, Münzen und Barren ist Silber nämlich in der Industrie heiß begehrt: Wegen seiner hohen elektrischen und thermischen Leitfähigkeit wird es in Elektronik , Elektrik und Optik eingesetzt. Entscheidend ist unter anderem auch das starke Wachstum im Photovoltaiksektor: Für die Herstellung von Photovoltaikmodulen wird Silber benötigt – und zwar in einem beträchtlichen Ausmaß. Staaten wie China und auch die USA unter Joe Biden wollen den Ausbau der grünen, klimafreundlichen Energie jetzt rasch vorantreiben. Und Photovoltaik wird dabei eine große Rolle spielen – auch in Europa wird wegen der Klimaschutzvorgaben der Ausbau zügig voranschreiten. Zudem kommt Silber in der Windenergie zum Einsatz. Das Metall wird überhaupt für die Industrie in den nächsten Jahren eine noch wichtigere Rolle einnehmen, etwa beim Löten von Elektronik. Aber auch in der Medizin wird Silber verwendet, für Wundauflagen oder in Cremes. Und die Nachfrage für solche Anwendungen steigt.

Silber langfristig im Aufwärtstrend

Fakt ist: Beim Silber geht noch was. Analysten rechnen mit langfristig großem Potenzial für einen Aufwärtstrend – und das, obwohl es für die Weltwirtschaft nun wieder rosiger aussieht. Gerade in der Krise haben viele Anleger nicht nur Gold, sondern eben auch Silber entdeckt. Ebenso wie bei Gold ging es für Silber in den vergangenen Jahren beim Preis einmal hinauf, einmal hinunter. Insgesamt ist der Silberkurs deutlich volatiler als jener von Gold, zeigt aber langfristig eindeutig nach oben. Als Absicherung gegen die Inflation gewinnen beide Edelmetalle nun wieder an Bedeutung.

Silbermünzen Maple Leaf, Britannia und Philharmoniker von philoro

Beliebte Anlagemünzen:

1) Die kanadische Silbermünze „Maple Leaf“ mit dem für Kanada typischen Ahornblatt.
2) Die „Britannia“-Münze zeichnet sich durch eine besondere Prägetechnik aus.
3) Die „Philharmoniker“-Münze ist weltweit ein Klassiker – und es gibt sie auch in Silber.

Wie geht es konkret mit dem Silberpreis weiter? Wie beim Gold lässt sich die Entwicklung der nächsten Monate schwer abschätzen. Im Gegensatz zum teureren Edelmetall ist Silber aber beispielsweise weniger stark von der Entwicklung der Renditen abhängig: Wenn die Renditen von Staatspapieren steigen, sinkt ja im Regelfall der Goldkurs – und umgekehrt. Silber ist in dieser Hinsicht weniger betroffen. Insgesamt gehen Experten vor diesem Hintergrund von einem langfristig stabilen oder sogar steigenden Silberpreis aus. Anleger müssen aber die Nerven haben, die Volatilität auszuhalten.

Welche Steuern fallen beim Kauf von Silber an?

Beim Kauf von Silber – etwa in Form von Barren – sollten Käufer bzw. Anleger auch an die Mehrwertsteuer denken. Denn während bei Gold weder in Deutschland noch in Österreich eine Mehrwertsteuer verrechnet wird, kommt diese bei Silber sehr wohl zum Tragen: In Österreich sind es für Silberbarren 20 Prozent, in Deutschland 19 Prozent. Beim Handel mit Münzen bzw. Barren, die auch als Zahlungsmittel akzeptiert werden, kann die sogenannte Differenzbesteuerung angewendet werden: Dabei wird die Steuer nicht für den Gesamtwert berechnet, sondern nur für die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis. Daher weisen Rechnungen mit Differenzbesteuerung im Regelfall den Hinweis auf, dass keine Mehrwertsteuer ausgewiesen wird. Ein weiterer Aspekt sind die Nebenkosten bei Silber, etwa der Prägeaufschlag: Weil Silber weniger wertvoll ist als Gold, kann dieser Aufschlag im Vergleich zum reinen Edelmetallwert höher sein.

Numismatik-Münzen und Silberbarren von philoro

1) Numismatik-Münze „Silber Elefant“ aus der Münzserie „Big Five II“
2)„Silber Lunar III“-Münze mit Tigermotiv im „Jahr des Tigers“
3) Silberbarren von philoro

Fakten-Check: Was spricht für die Investition in Silber? Was ist zu beachten?


Vorteile der Investition in Silber

  • Als Zahlungsmittel – etwa in Krisenzeiten – kann Silber einfacher eingesetzt werden als Gold. Beim Kauf kleinerer Mengen Silber sind Münzen zu empfehlen, für größere Mengen können auch Barren in Erwägung gezogen werden.

  • Für das Sparen von kleineren Beträgen kann Silber besser geeignet sein, da es deutlich günstiger ist als Gold.

  • Der Goldpreis entwickelt sich unter anderem in Korrelation mit der Entwicklung der Anleihenrenditen. Steigen diese, wirkt sich das negativ auf Gold aus. Bei Silber ist die Abhängigkeit in einem viel geringeren Ausmaß gegeben. Anleger sollten ohnehin eher die langfristige Entwicklung von Silber im Fokus haben – und diese zeigt deutlich nach oben.

Das ist bei der Investition in Silber zu beachten

  • Mehrwertsteuer: Im Gegensatz zu Gold ist beim Kauf von Silber Mehrwertsteuer zu bezahlen. Eine Ausnahme ist die sogenannte Differenzbesteuerung beim Handel mit Münzen, in diesem Fall ist nur die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis zu versteuern.

  • Der Silberkurs ist u.a. deshalb stärkeren Schwankungen unterworfen als der Goldkurs, weil der Silbermarkt deutlich kleiner ist.

  • Aufpassen heißt es beim Dollarkurs: Der Silberpreis wird an den Börsen immer in US-Dollar angegeben, die Entwicklung des Dollars gegenüber dem Euro kann für Anleger also wichtig sein.

  • Wer Silber nicht physisch kaufen möchte – also etwa Münzen oder Barren – kann auch in börsengehandelte Wertpapiere investieren: ETCs (Exchange Traded Commodities) bilden den Silberpreis nach, sind aber nur für erfahrene Anleger zu empfehlen, da es einige Tücken gibt. So werden solche Finanzprodukte oft als Schuldverschreibungen aufgelegt, das Handling ist daher etwas komplexer. Eine andere Möglichkeit ist der Kauf von Aktien von Bergbauunternehmen, die vorwiegend Silber fördern, zum Beispiel First Majestic Silver aus Kanada.


Wissenswertes zu Silber

Silber ist ein Schwermetall und zählt zu den Übergangsmetallen, das chemische Symbol ist Ag. Es wurde schon in der Antike verarbeitet und war zu manchen Zeiten begehrter und wertvoller als Gold. Im Mittelalter stammte das meiste Silber aus Schwaz in Tirol, später wurden große Mengen aus Lateinamerika nach Europa gebracht. Entscheidende Auswirkungen auf den Silberpreis in den 1970er- und 1980er-Jahren brachten die Spekulationen der Hunt-Brüder: Diese amerikanischen Spekulanten wollten mit Hilfe saudischer Geschäftspartner den Silbermarkt beherrschen und kauften riesige Mengen des Edelmetalls sowie Silberkontrakte an der Warenterminbörse. Das blieb nicht ohne Folgen: Nach drastischen Preisanstiegen brach die Spekulation zusammen, der Silberpreis stürzte 1980 von 50 US-Dollar auf unter fünf Dollar.

LBMA-Zertifikat

Bei Gold und Silber kommt es gleichermaßen auf höchste Qualität an. Ausschlaggebend ist bei beiden Edelmetallen das Zertifikat der LBMA (London Bullion Market Association) – Käufer haben damit die Sicherheit, dass die Standards erfüllt werden. Damit ein Gold- bzw. ein Silberbarren das LBMA-Zertifikat erhält, muss dieser nicht nur die Qualitätsanforderungen erfüllen, sondern unter anderem auch Vorgaben für ethisch korrekte Abbaubedingungen. Auf der sogenannten „Good Delivery List“ der LBMA finden sich Unternehmen, die regelmäßig von unabhängigen Stellen geprüft werden.


Gold oder Silber? Die Frage müsste mit einer Gegenfrage beantwortet werden: Weshalb sollte man sich nur für eines der beiden Edelmetalle entscheiden? Beide eignen sich für die langfristige Geldanlage – und können sogar die perfekte Ergänzung zueinander sein.


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