Goldgräberstädte nach dem Goldrausch

Von Goldsuchern aufgebaut – nach dem Goldrausch zurückgelassen: zahlreiche Städte erinnern heute noch an die Zeit der großen Schürfabenteuer. Nicht alle blieben leerstehend, manche wurden wieder besiedelt oder zu Museen umfunktioniert. Eines haben die Goldgräberorte aber gemeinsam: Sie erzählen spannende Geschichten.

Goldgräberorte nach dem Goldrausch: Goldfield in Arizona
Die Hauptstraße von Goldfield, Arizona, bei Sonnenaufgang – und ohne die Touristen, die sich normalerweise hier tummeln
© Getty Images

Dawson City in Kanada

Dawson City in Kanada

Dawson City, das legendäre Zentrum des Klondike-Goldrausches, im Jahr 1900

Wer über den Klondike-Highway in die ehemalige Goldgräber-Metropole Dawson City will, braucht einen langen Atem und eine warme Jacke. Für die Fahrt aus der kanadischen Kleinstadt Whitehorse, die am legendären Yukon River entlangführt, sollte man sieben Stunden Zeit einplanen – und genügend Zwischenstopps. Denn die Landschaft ist ebenso reizvoll wie das Klima rau. Die durchschnittliche Temperatur im Juli beträgt rund 15 Grad Celsius, wer das frisch findet, war noch nie im Januar hier: Da fällt das Thermometer häufig unter minus 30. Die Goldsucher, die 1896 in diese Gegend zogen, um ihr Glück zu versuchen, waren durch das Klima nicht abzuhalten.

Nachdem der vielbeachtete Fund eines Einheimischen namens Skookum Jim einen gigantischen Goldrausch ausgelöst hatte, zog es mehr als hunderttausend Menschen in die Reichtum-verheißende Region – und in ihre Boomtown, Dawson City. Sie wurde von den Stampeders, wie die Klondike-Goldsucher genannt wurden, in langen Fußmärschen oder nach dem Eisaufbruch mit Booten und Flößen angesteuert. Viele von ihnen kehrten auf dem strapaziösen Weg um, nicht wenige bezahlten das Wagnis mit ihrem Leben.

Rund 40.000 schafften es – und wurden Einwohner einer explosionsartig wachsenden Stadt, die für einige Jahre das glamouröse Zentrum eines Gebietes darstellte, in dem fast 600 Tonnen Gold gefunden wurden. Einer Stadt, in der man immer noch das Gefühl hat, Jack London, Stadtvater Joseph Ladue oder Gertrude Lovejoy, die lokale Tanzsaal-Ikone mit dem Diamanten zwischen den Zähnen, könnten jeden Moment um die Ecke biegen. Wobei die Bezeichnung „Stadt“ mittlerweile ein bisschen übertrieben ist: Schließlich leben in Dawson City nur noch 1.300 Einwohner.

Der Geist der Gold Rush- Ära ist dennoch allgegenwärtig. Das liegt nicht zuletzt an den sorgfältig restaurierten Gebäuden wie dem Palace Grand Theatre, das 1899 als Fusion aus luxuriösem Opernhaus und Dance Hall eröffnet worden war und in dem auch heute noch Shows und Theateraufführungen stattfinden. Als der ehemalige Prunkbau renoviert wurde, fand man im Barbereich zwischen den Brettern des Parkettbodens eine feine Schicht Goldstaub – Überbleibsel eines Zahlungsmittels, mit dem die Stampeders nach der harten Arbeit an den Creeks ihre wohlverdienten Drinks bezahlten. Lange währte der Glanz des „Paris des Nordens“ nicht: Schon nach drei Jahren zogen die meisten Goldsucher wieder ab und hinterließen in Dawson City unbewohnte Straßen.


Skagway in Alaska

Skagway in Alaska

Eine Zeltreihe markierte den Anfang der späteren Goldgräberstadt Skagway in Alaska

Genauso verhielt es sich im acht Stunden weiter südlich gelegenen Skagway. Ebenfalls eine ehemalige Goldgräberstadt und einst fest in der Hand des berüchtigten Banditen und Trickbetrügers Soapy Smith, präsentiert sich der kleine Ort heute als Freiluftmuseum und Touristenattraktion. Einheimische in historischen Kostümen und wieder hergestellte Häuser, von denen viele zum Klondike Gold Rush National Historical Park gehören, locken zahlreiche Gäste hierher. Bis zu fünf Kreuzfahrtschiffe legen im Sommer an, an betriebsamen Tagen strömen mehr als 8.000 Besucher in das Provinznest in Alaska, das normalerweise nur noch 900 Einwohner zählt. Verglichen mit anderen Städten, die während eines Goldrausches entstanden sind, ist das gar nicht so wenig.


Barkerville in Kanada

Barkerville in Kanada

Barkerville war einst der das Zentrum des Cariboo-Gold-Rush – heute ist es eine Geisterstadt

Barkerville, das 1863 der Hauptort des Cariboo-Gold Rush im kanadischen British Columbia und außerdem der größte Ort nördlich von San Francisco war, ist heute eine Geisterstadt. Auch eine chinesische Community, die sich in den 1880er-Jahren trotz Gewaltanwendung gegen den Widerstand der Weißen durchsetzte, aufgegebene Claims übernahm und gemeinnützige Gesellschaften gründete, konnte den Bevölkerungsrückgang nicht aufhalten.

Seit 1924 ist Barkerville eine nationale Geschichtsstätte, die Häuser wurden mit Westernfassaden versehen und Schauspieler lassen für Besucher die Pionierzeiten wieder auferstehen.


Rhyolite in Nevada

Rhyolite in Nevada

Nur wenige Bauten erinnern daran, dass Rhyolite früher Heimat von 10.000 Menschen war

Wer mehr gespenstische Stille sucht, wird weiter im Süden fündig – etwa an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada. Im Rhyolite, das 1904 nach einem Goldfund von 10.000 Menschen bevölkert wurde, herrscht fast beängstigende Ruhe. Nur wenige steinerne Gebäude erinnern an eine Zeit, in der es hier 50 Minen, 19 Hotels, drei Krankenhäuser, eine Oper, ein öffentliches Schwimmbad und 53 Saloons gab. Schon 1914 waren die Goldvorkommen ausgebeutet, fünf Jahre später schloss das Postamt und der letzte Bewohner von Rhyolite, der Postbedienstete, verließ die Stadt.

Heute steht sie unter Denkmalschutz und kann kostenlos besichtigt werden. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt das Bottle House, das aus rund 50.000 miteinander vermörtelten Flaschen errichtet wurde – die meisten davon weggeworfene Busch-Beer-Flaschen aus dem benachbarten Saloon.


Bodie in Kalifornien

Bodie in Kalifornien

Einst einer der wildesten Orte des Westens, heute eine gut erhaltene Geisterstadt: Bodie in Kalifornien

Auch das weiter nördlich gelegene Bodie ist mittlerweile unbewohnt – was man der besterhaltenen Geisterstadt der USA auf den ersten Blick nicht ansieht. Dank der geringen Luftfeuchtigkeit sind viele Gebäude, Gerätschaften und Autos erstaunlich gut erhalten geblieben. Die Goldgräbersiedlung war Ende der 1870er- Jahre fast über Nacht zur Kleinstadt geworden, als die Standard Company, die hier eine Mine betrieb, auf eine sehr profitable Goldader gestoßen war.

In seiner Blütezeit konnte Bodie nicht nur mit den üblichen Saloons und Bordellen aufwarten, sondern auch mit einem Chinesenviertel samt taoistischem Tempel und Opiumhöhle, sieben Brauereien und Kirchen verschiedener Religionen. Viel genützt dürfte das Beten dort nicht haben, der Ort galt zu seinen „besten“ Zeiten als eine der wildesten und gesetzlosesten Städte des Westens. Legendär ist das Zitat eines kleinen Mädchens, das mit seinen Eltern nach Bodie ziehen sollte und in sein Tagebuch schrieb: „Goodbye God, I’m going to Bodie!“ („Adieu Gott, ich gehe nach Bodie!“)


Goldfield in Nevada

Goldfield in Nevada

Alles, was der Goldgräber brauchte: Shopping in Goldfield, Nevada, im Jahr 1902

Während man bei Bodie, das nach einer Goldgräberfamilie benannt ist, nicht sofort auf eine einstige Minenstadt schließen würde, kann man bei Goldfield schon eher vermuten, was die Gründer im Sinn hatten. Ein Ort mit diesem Namen liegt in Nevada und wird manchmal als Ghost Town bezeichnet, obwohl dort immerhin 440 Menschen leben. Anfang des letzten Jahrhunderts waren es noch 30.000, darunter auch Berühmtheiten wie der Revolverheld, Glücksspieler, Büffeljäger, Saloonbesitzer, Bergmann und Gesetzeshüter Wyatt Earp, dessen Leben mehrfach verfilmt wurde. Darüber hinaus war dieses Goldfield für seine Boxkämpfe – etwa jenem zwischen Joe Gans und Oscar Mathaeus Nielsen im Jahr 1906 – und die Streiks der Minenarbeiter bekannt, die der radikalen Gewerkschaft Industrial Workers of the World erstmals breite Aufmerksamkeit einbrachten.

In den 1920ern wurde ein Großteil der Stadt bei einem Feuer zerstört, heute kann man immerhin ein paar historische Ziegelgebäude bewundern – darunter das ehemals prunkvolle Goldfield Hotel, in dem angeblich eine Prostituierte und ihr Baby herumspuken. Soviel zu den Geistern.


Geisterstädte in Arizona

Ein anderes Goldfield liegt in Arizona, einem US-Bundesstaat, in dem es vor Geisterstädten geradezu wimmelt. Da wäre zum Beispiel Oatman in den Black Mountains, das zu einem beliebten Treffpunkt für Biker, aber auch zu einem Anziehungspunkt für Touristen geworden ist – nicht zuletzt wegen der berühmten wilden Esel, die in der Stadt frei herumlaufen. Oder Ruby, dessen Aufstieg eng mit der Eröffnung der Montana Mine im Jahr 1877 verknüpft ist. Tragische Berühmtheit erlangte der Ort in den frühen 1920er-Jahren, als mexikanische Banditen eine Reihe von brutalen Überfällen verübten, was in einer spektakulären Verbrecherjagd mündete. Fast könnte man meinen, all das hätte sich erst gestern ereignet – so gut in Schuss sind die Bauten, die es hier zu erkunden gibt, und zu denen eine Schule, ein Gefängnis und ein altes Minengebäude zählen.

Eine weitere Mine kann man in Goldfield besuchen. Anfang der 1890er-Jahre wurde hier hochwertiges Golderz gefunden, in den fünf Jahren bis zum Versiegen der Ader tummelten sich auf dem kleinen Hügel nahe der Goldfield Mountains die Glücksritter. In den Sechzigerjahren stieß der Schatzsucher und Aussteiger Robert F. „Bob“ Schoose auf die Reste der Stadt. Später kaufte er das Gelände, rekonstruierte den alten Stollen und die Häuser – und machte Goldfield zu einem lohnenden Ausflugsziel für alle, die in der Gegend von Phoenix unterwegs sind. So imposant die Menge an ehemaligen Goldgräberstädten in Nordamerika auch sein mag, einen Claim auf Ghost Towns hat der Kontinent natürlich nicht.


Cerro de San Pedro in Mexiko

Cerro de San Pedro in Mexiko

Spuren einer goldenen Vergangenheit findet man im mexikanischen Dorf Cerro de San Pedro

Auch das Dorf Cerro de San Pedro in Mexiko kann schließlich auf eine goldene Vergangenheit zurückblicken. Im Jahr 1583 traf der Franziskanermönch Diego de la Magdalena in der heutigen Region San Luis Potosí auf Cualiname vom Stamm der Huachichilen, der sein Gesicht mit Gold bemalt hatte. Er erzählte, dass in der Nähe noch viel mehr von dem goldenen Pulver zu finden sei. Als der spanische Militärchef Miguel Caldera davon erfuhr, nahm er die Gegend in Besitz – und ließ seine Leute dort faustgroße Goldklumpen schürfen.

Heute hat der malerische Ort noch rund 120 Einwohner, wirkt aber mit seinen verfallenen Häusern wie eine Geisterstadt. Die wenigen Restaurants und Bars öffnen nur am Wochenende, auch eine begehbare Mine kann man dann besichtigen.


Cracow in Australien

Ähnlich wenige Bewohner findet man im australischen Cracow. Das Städtchen nördlich von Brisbane wurde in den 1930ern im Zuge des letzten Goldrausches im Lande gegründet und zog zahlreiche Abenteurer, aber auch Familien an. Dadurch, dass man den Ort – im Gegensatz zu anderen Goldgräberorten – über Straßen erreichen konnte, brachten viele Digger ihre Frauen und Kinder mit. Schon wenige Jahre später gab es regelmäßigen Flugverkehr, mehr als ein Dutzend Geschäfte, ein eigenes Krankenhaus, zwei Limonadenfabriken, eine Schule und ein Gerichtsgebäude.

Die Golden Plateau Mine produzierte 2.500 Unzen Gold pro Monat, was Cracow bald zu einer „One Mine Town“ machte. Als sie 1976 schließlich geschlossen wurde, verließen die meisten Menschen die Stadt, die heute mit ihrer ungewöhnlichen Atmosphäre zu einer Sightseeing-Tour einlädt.


Walhalla in Australien

Walhalla in Australien

In Walhalla sind derzeit weniger als 20 Personen wohnhaft

In einer anderen Geisterstadt Australiens ist die Dorf-Community sogar noch überschaubarer: Walhalla im Bundesstaat Victoria, das 1863 gegründet und in Gold Rush-Zeiten von mehreren tausend Menschen bewohnt wurde, zählt derzeit weniger als 20 Einheimische. Der Name der Stadt geht auf eine frühere Goldmine zurück, die nach der Ruhmeshalle Walhalla im bayerischen Donaustauf benannt wurde, für die Entwicklung des Ortes spielten aber auch italienische Siedler eine große Rolle.

Nachdem hier tonnenweise Gold gewonnen wurde, entwickelte die Kleinstadt Wohlstand, bis heute sieht Walhalla wie eine Bilderbuchstadt aus – mit pittoresken Holzfassaden, einem Musikpavillon, einem hübschen Hotel und einer Schmalspurbahn. Touristen, die hier herkommen, können unter anderem eine „Geistertour“ buchen und sich am Hangfriedhof die Geschichten der ehemaligen Locals erzählen lassen.


Pilgrim’s Rest in Südafrika

Pilgrim's Rest in Südafrika

Das Städtchen Pilgrim’s Rest ist bei Touristen beliebt. Ein Programmpunkt: die Besichtigung des Royal Hotels

Mit einem mystischen Goldgräberfriedhof samt abenteuerlichen Erzählungen – und deutschen Namen auf den Grabsteinen – kann auch Pilgrim’s Rest in Südafrika aufwarten. Seit 1986 als Nationaldenkmal ausgewiesen lockt das kleine Städtchen in der Provinz Mpumalanga mit schön restaurierten, historischen Häusern – wie etwa dem Alanglade, der ehemals herrschaftlichen Residenz des Chefs der Transvaal Gold Mining Estates Ltd.

Nachdem das alluviale Gold, das zur Entstehung des Ortes geführt hatte, im Pilgrim’s Creek erschöpft war, hatte man ein Bergwerk errichtet, das 1895 von dem Unternehmen übernommen wurde. Außerdem entstanden mehrere Wasserkraftwerke, sodass eine elektrische Straßenbahn und Straßenbeleuchtungen betrieben werden konnten.

Heute ist Pilgrim’s Rest ein beliebtes Touristenziel, in dem auch geführte Touren durch den Ort angeboten werden. Dabei erfährt man, was die einstigen Digger im Drezden Shop eingekauft haben, besucht die alte Zeitungsdruckerei sowie das Royal Hotel mit seiner eisenverzierten Fassade und natürlich auch das Miner’s House – ein typisches, spartanisch eingerichtetes Haus eines Goldgräbers. Darüber hinaus wurde etwas außerhalb eines der drei Goldgräbercamps originalgetreu nachgebaut und am Pilgrim’s Creek können Besucher auch heute noch ihr Glück im Goldwaschen versuchen. Ob man dabei reich wird, bleibt dahingestellt. Aber eines steht mit Sicherheit fest: Man friert hier nicht so leicht wie am Klondike.


Wer Lust hat, Gold zu waschen, muss jedoch nicht nach Südafrika reisen, um dies zu tun. Hobbyschürfer können beispielsweise in den klaren Gewässern der Hohen Tauern nach Gold suchen. Die Chancen, auf Goldklumpen in der Größenordnung des größten Goldnuggets der Welt zu stoßen, das 2018 in Australien gefunden wurde, sind zwar gering, dafür zehrt man gewiss von einem schönen Erlebnis in ruhiger Natur.


Sie möchten mehrere Artikel wie diesen lesen?

Jetzt kostenloses Au79 Magazin-Abo bestellen!

Nach oben