Die Geschichte des Wiener Philharmonikers

Manchmal kommt es zu Begegnungen, wie sie das Schicksal nicht besser arrangieren hätte können. Wie die Münze Österreich und das berühmteste Orchester der Welt zueinanderfanden: die Geschichte des „Wiener Philharmonikers“.

Die Entstehungsgeschichte des Wiener Philharmonikers
Wertbeständigkeit und das besondere Flair machen den Wiener Philharmoniker zu einer der gefragtesten Bullionmünzen der Welt
© Ernst Kainerstorfer / picturedesk.com

Wenn man es ganz genau nimmt, steckt hinter der Entstehung des berühmten „Philharmonikers“ ein glücklicher Zufall – eine typisch österreichische Begebenheit, um nicht zu sagen ein Wiener Klassiker. Aber eines nach dem anderen.

Eine Bullionmünze als Repräsentant für Österreich

Als am 4. November 1988 das neue österreichische Scheidemünzengesetz verabschiedet wurde, war völlig klar, dass es eine Bullionmünze geben würde und dass diese ein Sujet haben sollte, das einen repräsentativen, smarten Botschafter in der Welt abgibt. Ein Symbol, das die Alpenrepublik verkörpert, hinter dem das österreichische Volk gemeinschaftlich steht und das auch im Ausland mit einem prestigeträchtigen Rahmen assoziiert wird. Vier Themen kristallisierten sich recht bald heraus: der Stephansdom, eine Goldhaube als typisches Accessoire der heimischen Tracht, das Stift Melk und das Thema Musik. Vier Themen deshalb, weil es vier Graveure in der Münze Österreich gab und jedem ein Sujet zugeordnet werden sollte.

Die Idee zum Wiener Philharmoniker

Das Thema Musik wurde dem damaligen stellvertretenden Leiter der Graveurie, Thomas Pesendorfer, zugewiesen, der in einem Interview im Jahr 2016 erzählte: „G’rissen hab i mi ned um des Thema. Aber dass i was mit klassischer Musik mach, des war mir von Anfang an klar.“

Der Gedanke an klassische Musik und Österreich führt rasch zum Neujahrskonzert, denn es ist die meistgesehene Klassiksendung der Welt. Die Assoziation ist somit nicht von der Hand zu weisen, würde wohl nicht wenigen einfallen. Somit war klar, dass die eine Seite der Münze ein Element aus dem berühmten Goldenen Saal des Wiener Musikvereins spiegeln, während die andere dem Orchester gewidmet sein sollte.

Entstehung des Wiener Philharmonikers

Die Rückseite des Wiener Philharmonikers zeigt die Instrumente, die für den besonderen Klang des Orchesters verantwortlich sind

Auf der einen Seite fand also die Orgel mit ihrem hohen Wiedererkennungswert Platz – schließlich gibt es keine Konzertübertragung, bei der das prachtvolle Instrument nicht eingeblendet wird –, auf der anderen Seite die Wiener Philharmoniker. Aber wie bringt man ein ganzes Orchester auf so wenig Platz unter? Vor allem: Wie drückt man dessen Wiedererkennungswert aus? Und überhaupt: Würde dieses Star-Orchester bei dem Projekt so einfach mitspielen?

Vom Konzept zur Kooperation

Um eine Antwort auf diese drei Fragen zu finden, machte sich Pesendorfer spontan auf den Weg in den Musikverein in der Bösendorferstraße, sie liegt ja nur gute 15 Gehminuten entfernt von der Münze Österreich. Er klopfte beim Sekretariat an, stellte sich etwas schüchtern vor; die Sekretärin fragte ihn nach seinem Anliegen. Während er sich noch vorsichtig in Andeutungen erging – schließlich war die Idee gerade einmal geboren, aber sonst eher unausgegoren –, wurde die Büroleiterin ungeduldig und komplementierte ihn wieder bei der Tür hinaus.

Wiener Musikverein

Im Wiener Musikverein wurde erstmals die Idee zu einer Münze der Wiener Philharmoniker vorgestellt

Doch Pesendorfer hatte Glück. Zum Zeitpunkt, als er sich im Direktoriumsbüro aufhielt, war auch Margit Resel dort, die Ehefrau des damaligen Vorstands der Wiener Philharmoniker, Werner Resel. Kaum daheim, erzählte sie ihrem Mann die Geschichte, worauf Resel sofort zum Telefonhörer griff und Clemens Hellsberg anrief – der spätere langjährige Leiter der Wiener Philharmoniker war damals ehrenamtlicher Leiter des historischen Archivs. Nach dem Motto: Hellsberg solle doch bitte einmal beim Münzamt nachfragen, was denn da im Busche sei.

Es war kurz nach 18 Uhr abends, als Hellsberg die Nummer wählte, und natürlich hob keiner mehr ab. Erst nach längerem Läuten meldete sich Alfred Zierler, der damalige Leiter der Graveurabteilung. Zierler bestätigte das Vorhaben, gab Clemens Hellsberg die Nummer von Pesendorfer – und so kam es zu einer der glücklichsten Kooperationen im Bereich der Numismatik.

Welche Instrumente auf dem Philharmoniker abgebildet sind

Was damit aber noch nicht geklärt war, war die Frage: Was soll für ein Sujet auf die Münze? Da war „Historiker“ Hellsberg natürlich die allerbeste Anlaufstelle. Denn eine Besonderheit des Orchesters liegt in seinem ganz eigenen Klang, der daraus resultiert, dass dieses teilweise auf Instrumenten spielt, die nach alter Bauart hergestellt werden.

Münze Wiener Philmarmoniker

Die Rückseite des Wiener Philharmonikers zieren neben den prominenten Streichinstrumenten - zwei Geigen, zwei Bratschen und ein Cello - das "Wiener Horn", Fagott und Harfe

Vor allem den Streichinstrumenten kommt dabei eine prominente Rolle zu, unter Musikern und Musikexperten kursiert sogar der Ausdruck des „Wiener Streichklangs“. Damit war klar, dass die Streicher im Zentrum der Abbildung stehen mussten. Eine weitere Besonderheit bei den Philharmonikern ist das „Wiener Horn“, es weist im Vergleich zu den sonstigen im Einsatz befindlichen Hörnern ebenfalls eine abweichende Bauart auf. Also gehörte auch das Horn auf die Darstellung. Fagott, Klarinette, Flöte und Trompete unterscheiden sich ebenso von den üblichen Blasinstrumenten in anderen Orchestern. Und schließlich bekam noch die Harfe ihren Ehrenplatz. Sie stach Pesendorfer ins Auge, als die Philharmoniker einmal für eine Japanreise all ihre Instrumente verpackt hatten und das anmutige Instrument auf einmal alleine auf der Saalbühne thronte.


So entsteht ein Wiener Philharmoniker:

Die Münze Österreich zeigt Einblicke in die Herstellung des Wiener Philharmonikers


Die Präsentation der Münze

Im Jänner 1989 kam es zur vertraglichen Besiegelung des außergewöhnlichen Projekts. Die Münze Österreich erhielt von den Philharmonikern die Genehmigung, ihre neue Münze auf den prominenten Namen „Wiener Philharmoniker“ zu taufen – und zwar kostenlos und ohne festgelegte Zahlung von Tantiemen. Im Gegenzug war den Philharmonikern ein internationaler Werbeträger gewiss, der kaum spektakulärer ausfallen hätte können und den sicheren Weltapplaus einfahren würde.

Schließlich wurde die Münze am 8. Oktober 1989 im Rahmen eines Festkonzerts im Goldenen Saal präsentiert. Star-Dirigent Claudio Abbado stand am Pult und man gab die 7. Symphonie von Beethoven. Und zwar aus ganz besonderem Grund – sie wurde an diesem Abend zum 300. Mal von den Wiener Philharmonikern gespielt. In seiner Festrede hielt Clemens Hellsberg fest: „Als am 28. März 1842 zum ersten Mal die ,Philharmonische Idee‘ verwirklicht wurde, erklang als erstes Werk dieses Konzert. Wir wollen mit der nun folgenden Aufführung an den Beginn unserer Geschichte erinnern, die heute um einen weiteren Höhepunkt bereichert wurde.“

Eine gelungene Zusammenarbeit

Wenn auch bei dieser Kooperation kein „direktes“ Geld floss, so konnten sich die Philharmoniker doch über einen gewinnbringenden musikalischen „Nebeneffekt“ freuen. Noch im selben Jahr der Münzen-Lancierung erwarb die „Mutter“ der Münze Österreich, die Nationalbank, drei kostbare Violinen. Diese werden seither nicht sanft im Tresor gestreichelt, sondern stehen hochtalentierten Künstlerinnen und Künstlern zur Verfügung. Irgendwann später einmal sagte Clemens Hellsberg in einem Interview: „Die Münze hat uns gefunden. Und wir haben die Münze gefunden.“ Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können.


Weiterführende Literatur zum Thema:

„Der Wiener Philharmoniker. Eine Anlagemünze schreibt Geschichte“ von Ursula Kampmann. 120 Seiten, Battenberg-Verlag


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