Was bedeuten Prägungen auf Gold, Silber & Co.?

Betrachtet man ein Schmuckstück aus echtem Gold, Silber, Platin oder Palladium genauer, findet man meist gut versteckt eine kleine Prägung.  Diese Prägung auf Edelmetallen nennt sich Punzierung – oder kurz Punze – und verrät, welchen Edelmetall-Feingehalt ein Objekt besitzt.

Bedeutung von Stempeln auf Gold, Silber & Co.
Worüber geben Zahlenstempel auf Edelmetallen Auskunft? Welche sind am geläufigsten? Und ist die Prägung Pflicht? Hier erfahren Sie mehr!
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Wozu dient die Punzierung?

Die Punzierung gibt Auskunft über den Feingehalt an Gold, Silber oder anderen Edelmetallen in einem Produkt und wird in Gewichts-Promille angegeben. Vorwiegend lassen sich die Stempel im Schmuckbereich oder auf Silberwaren finden und sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass es sich um echtes Gold, Silber, Platin oder Palladium handelt.

Ist eine Punzierung gesetzlich verpflichtend?

Ob ein Schmuckstück mit einem Feingehaltsstempel versehen werden muss, hängt ganz davon ab, in welchem Land man sich befindet. In Deutschland gelten beispielsweise andere Vorgaben als in Österreich oder der Schweiz.

Deutschland

In Deutschland gilt das „Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren“ . Eine Auskunft über den Feingehalt ist dem Gesetz nach nicht verpflichtend, sollte der Feingehalt aber angegeben werden, so muss dieser den geltenden Regelungen entsprechen. Punzierungen anbringen darf der Bestimmung nach jeder, ein Qualifikationsnachweis ist nicht erforderlich.

Österreich

In Österreich regelt das „Punzierungsgesetz“ die verpflichtenden Angaben auf Edelmetallgegenständen. Es besagt, dass jedes Erzeugnis eine Feingehaltspunze sowie eine registrierte inländische Verantwortlichkeitspunze tragen muss. Letztere zeigt, welche Stelle die Prüfung und Punzierung vorgenommen hat.

Schweiz

In der Schweiz gibt das Gesetz der „Edelmetallkontrolle“  Auskunft über die länderspezifischen Vorgaben. Wie in Österreich ist auch hier die Feingehaltsangabe sowie die Verantwortlichkeitspunze Pflicht.

Die geläufigsten Goldstempel

Bei Goldschmuck, der beispielsweise in Deutschland verkauft wird, kommen die Stempel 333, 585 und 750 am häufigsten vor. Solange sich die Angabe zwischen 333 und 999 bewegt, ist hier grundsätzlich jede Feingehalt-Abstufung erlaubt. In Österreich wird ein Goldobjekt dagegen erst ab einer 585-Punzierung als zulässig deklariert und es gibt klar vorgegebene Feingehaltstufen.
Ein 585-Stempel bedeutet etwa, dass der Gold-Feingehalt bei 585 von 1000 Tausendsteln liegt, also zu 58,5 Prozent aus reinem Gold besteht.
Die Prägung 999 findet ausschließlich bei Anlagemetallen wie Goldbarren oder Goldmünzen Anwendung, da der extrem hohe Feingehalt bzw. das reine Gold selbst zu weich ist, um es zur Verarbeitung von Schmuck verwenden zu können.

Es gibt mehrere geläufige Goldlegierungen mit gewissen Feingoldanteilen, die in der folgenden Übersicht aufgelistet sind.

Stempel

Gold-Feingehalt

Karat

999

99,9 %

24

333

33,3 %

8

375

37,5 %

9

585

58,5 %

14

750

75 %

18

900

90 %

21,6

916

91,6 %

22

986

98,6 %

23


Die geläufigsten Silberstempel

Im Gegensatz zum Begriff Karat, der als Kennzeichnung der Gold-Feinheit herangezogen wird, gilt für Silber die Einheit Lot. Besonders im Schmuckbereich weit verbreitet ist der Stempel 925, besser bekannt als Sterlingsilber.

Stempel

Silber-Feingehalt

Lot

750

75 %

12

800

80 %

13

835

83,5 %

13

900

90 %

14

925

92,5 %

15

999

99,9 %

16


Die geläufigsten Stempel bei Platin & Palladium

Platin wird fast vollständig rein verarbeitet und eignet sich aufgrund seiner besonderen Eigenschaften hervorragend für die Herstellung hochwertiger Schmuckstücke.
Die gängigste Punzierung liegt demnach mit 950 recht hoch, der Platin-Feingehalt beträgt hier 95 Prozent. In Österreich ist beispielsweise nur diese Feingehaltspunze für Platinprodukte zulässig. Eher seltener kommen die Stempel 900 (90 Prozent Platin), 750 (75 Prozent Platin) und 585 (58,5 Prozent Platin) vor.

Nachdem Palladium ebenfalls zur Platingruppe gehört, gilt für das silberweiße Metall Ähnliches wie für das verwandte Platin. Der geläufigste Stempel ist auch hier 950, 600 und 500 sind seltener aufzufinden.


Keine Punzierung? Prüfung beim Experten!

Sollte ein Produkt keine Prägung haben, muss man in Betracht ziehen, dass es eine Fälschung sein könnte. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, vor allem, wenn es sich um Gold aus dem Ausland handelt. Dafür braucht es das Auge eines Experten. Profis können auch am Gewicht eines Goldstücks erkennen, ob sie es mit Vollgold zu tun haben.

Bei Goldbarren gibt es beispielweise einige äußere Merkmale, an denen ihre Echtheit erkennbar ist.

Anteile anderer Edelmetalle nicht ersichtlich

Was die Punzierung nicht verrät sind die Anteile anderer Materialien, die in der Legierung vorkommen. Nimmt man etwa Weißgold als Beispiel, so könnten neben Gold die Edelmetalle Silber oder Palladium enthalten sein. Vor allem letzteres verzeichnete im Frühjahr 2020 ein All-Time-High, was beim An- und Verkauf von Altgold preislich durchaus merkbar gewesen wäre. Profis lassen die Untersuchung weiterer Bestandteile daher jedenfalls in ihre Analyse einfließen.


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