Wie ein Goldbarren entsteht

Seine Geschichte reicht 4.000 Jahre zurück, doch in seiner Entstehung hat sich bis dato wenig verändert. Die Rede ist vom Goldbarren. Von der Mine ins Bankschließfach: wie ein solcher entsteht und wo sich Barren von Barren unterscheidet.

Die Entstehung eines Goldbarrens
Wie Gold entsteht, gewonnen und schlussendlich zu Barren verarbeitet wird
© iStock

Wie entsteht Gold?

Hinter so etwas Schönem wie Gold würde wohl niemand das Endprodukt einer ursprünglichen Katastrophe vermuten. Dabei ist das Edelmetall laut einer Analyse des Harvard-Smithsonian-Zentrums für Astrophysik genau das – eine ursprüngliche Katastrophe. Dazu muss man einmal einen Blick zurückwerfen in die Entstehungsgeschichte unserer Erde: Nach dem Urknall gab es im Universum vorerst nur die beiden leichtesten chemischen Elemente – Wasserstoff und Helium. Alle schwereren Elemente mussten erst durch Kernfusion, beispielsweise im Inneren von Sternen, die gigantische Fusionsreaktoren sind, erzeugt werden. Doch selbst beim größten Stern ist bei Eisen Schluss. Um schwerere Elemente wie Edelmetalle entstehen zu lassen, braucht es zusätzliche Energie. Und zwar jede Menge. Diese wird zum Beispiel dann frei, wenn es zur Verschmelzung zweier Sternenleichen, zur Kollision sogenannter Neutronensterne kommt. So setzte sich Gold einst im Erdkern ab. An der Erdoberfläche findet sich heute nur Gold, das nach der Krustenbildung durch Meteorite auf unseren Planeten gelangt ist oder durch vulkanische Prozesse wieder an dessen Oberfläche befördert wurde.

Gold – das rare Gut

Zusammenfassend lässt sich sagen: Gold ist selten – nicht nur auf unserer Erde, sondern im gesamten Universum. Würde man alles Gold, das seit Anbeginn der Menschheit aus den Tiefen der Erde zu Tage gefördert wurde, in einen Würfel packen, so hätte dieser globale Goldwürfel per Ende des letzten Jahres eine Kantenlänge von gerade einmal 21,7 Metern – das entspricht laut World Gold Council (WGC) rund 197.575,7 Tonnen.

Insgesamt werden jedoch rund 30 Milliarden Tonnen Gold in der Erdkruste vermutet. Was erst einmal nach viel klingen mag, lässt sich in Anbetracht der Erdmasse auf eine Konzentration im Millionstel-Prozent-Bereich herunterrechnen. Demzufolge befinden sich in jeder Tonne Erdkruste gerade einmal 0,005 Gramm Gold. Somit lohnt sich sein Abbau wirtschaftlich meist nicht. Und trotzdem oder gerade deshalb ist Gold begehrt wie kaum ein anderer Rohstoff.

Gold als sichere Anlageform

Seine Seltenheit und seine schwierige Gewinnung machen das Edelmetall zu der sichersten Anlageform – selbst in Krisenzeiten glänzt es durch Wertbeständigkeit, wie unsere jüngste Geschichte gezeigt hat.

In puncto Anlage hat sich der Goldbarren während der letzten 4.000 Jahre bewährt – der geringere Herstellungsaufwand im Vergleich zur Münze und die meist größeren Einheiten machen ihn, relativ betrachtet, günstiger. Selbst der einzige Nachteil, einen Goldbarren nicht in kleineren Einheiten veräußern zu können, ist mittlerweile Geschichte. So bietet philoro Combi­Bars an – spezielle Tafelbarren, die aus mehreren kleinen Goldbarren bestehen und durch Sollbruchstellen miteinander verbunden sind. Durch Knicken können einzelne Einheiten verlustfrei abgebrochen werden und verleihen so flexible Sicherheit.

Aus der Mine ins Schließfach

Doch ehe man einen Goldbarren erwerben kann, durchläuft das Edelmetall grob unterteilt drei Prozesse – den Abbau, die Raffination und die Fertigung.


Der Abbau: Wie wird Gold gewonnen?

Zurück zum Anfang: Um Gold aus der Natur zu gewinnen, gibt es unterschiedliche Methoden, die je nach Goldvorkommen variieren. Grundsätzlich unterscheidet man hier zwischen primärem und sekundärem Gold:

1. Primäres Gold

Zur Gewinnung von primärem Gold muss das sogenannte „Berggold“ durch Untertagebau – sprich: den Gesteinsabbau in Minen – erst zutage gefördert und anschließend aus der Gesteinsmasse extrahiert werden.

Goldmine

Wird das Gold aus dem Gestein in goldhaltigen Böden gewonnen,  spricht man von primären Lagerstätten

2. Sekundäres Gold

Die Förderung von sekundärem Gold ist hingegen mit weniger Aufwand verbunden: Das sogenannte „Waschgold“, das auf natürlichem Wege aus dem Gestein gelöst (in Flüssen „gewaschen“) wurde, lässt sich im Tagebau nahe der Erdoberfläche finden.

Goldwaschen

Wird das Gold durch Witterung aus dem Gestein herausgespült und in Gewässern aufgefunden, spricht man von sekundären Lagerstätten

Zum besseren Verständnis: In der tiefsten Goldmine der Welt in Südafrika wird Gestein aus einer Tiefe von 4.000 Metern der rund 16 Kilometer dicken Erdkruste an die Oberfläche befördert.

Und das im großen Stil: Rund 20 Tonnen Schutt sind durchschnittlich nötig, um einen Goldring herzustellen. Entsprechend hoch ist die benötigte Gesteinsmenge für einen ganzen Barren. Um den Gold-Abbau ökologischer zu gestalten, sind innovativere Gewinnungsmöglichkeiten längst Gegenstand der Forschung: Im Jahr 2011 wurde erstmals das Fairtrade-Gütesiegel an eine Mine in Kolumbien beziehungsweise das dort gewonnene Gold vergeben.


Die Raffination: Wie wird Gold vom Gestein getrennt?

Zurück zum Goldbarren: Um die unter Tage geförderten, fest im Erz sitzenden Goldpartikel aus ihrem Gesteinsmantel zu befreien, muss das Gestein im ersten Raffinationsschritt durch Stahlkugeln zermahlen und durch nasschemische Scheidung vom Gold getrennt werden. Dafür werden die edelmetallhaltigen Produkte entweder in einer Mischung aus Salz- und Salpetersäure oder in chlorhaltiger Salzsäure gelöst. Im Anschluss wird das Edelmetall aus der Lösung entweder durch Erhitzen, Elektrolyse oder Extraktion mit speziellen Chemikalien ausgeschieden und Industriegold, das in sogenannte Doré-Barren gegossen wird, gewonnen. Im Industriegold befinden sich nach wie vor Bestandteile des Erzes, das zur Feingoldgewinnung im nächsten Schritt des Scheideprozesses noch präziser herausgelöst wird.

Industrie-Goldbarren

Die Goldkonzentration von Industriegold liegt bei rund 80 Prozent - den Rest machen Erzbestandteile aus

Im Prozess der Goldgewinnung sind Scheideanstalten Vermittler zwischen Minen und den danach folgenden Händlern. Beim Kauf von Goldbarren ist es wichtig, bei Händlern zu kaufen, deren Ware ausschließlich in von der Londoner Buillon Market Association (LBMA) zertifizierten Scheideanstalten hergestellt wird.


Die Fertigung: Wie wird ein Goldbarren hergestellt?

Das bislang gewonnene und verarbeitete Gold hat nun mittlerweile einen Feingehalt von 99,99 Prozent und entspricht somit dem höchsten Standard. Somit ist es jetzt an der Zeit, dem Barren seinen letzten Feinschliff zu verleihen. Wie zu erwarten, gibt es auch hier diverse Unterschiede – denn Barren ist nicht gleich Barren.

Neben dem Feingehalt entscheiden sich Barren vor allem in ihrer Stückelung. Bei philoro gibt es sie, begonnen bei 0,5 Gramm bis hin zu 1.000 Gramm, in allen gängigen Einheiten. Nach der Größe des Barrens richtet sich auch das Herstellungsprinzip. Faustregel: Barren bis zu 100 Gramm werden meist geprägt, ab 250 Gramm werden sie für gewöhnlich gegossen.

1. Der Gussbarren

philoro Goldbarren gegossen

Gegossener Goldbarren von philoro

Da sich Gussbarren steigender Beliebtheit erfreuen, tendieren zunehmend mehr Hersteller dazu, auch kleinere Einheiten zu gießen. Dadurch bekommen sie eine robustere, individuelle Oberfläche und werden so zum Unikat. Dabei hat sich am Herstellungsprinzip eines Gussbarrens – Gold wird eingeschmolzen und gegossen – seit rund 4.000 Jahren kaum etwas verändert, wenngleich die technischen Hilfsmittel stetig besser wurden. Im ersten Herstellungsschritt wird Goldgranulat abgewogen und anschließend direkt in einer Barrenform oder einem Schmelztiegel geschmolzen.

Goldbarren gießen

Bei der Herstellung von Gussbarren wird Goldgranulat geschmolzen und in eine Eisen- oder Granit-Form gegossen

Kommt Zweiterer zum Einsatz, wird das flüssige Gold meist in eine Form aus Eisen oder Granit gegossen, ehe es langsam oder im Wasserbad abkühlt. Danach wird das Gewicht geprüft – ist ein Barren zu leicht, wird er erneut eingeschmolzen; ist er zu schwer, wird mit einem feinen Werkzeug so lange Material abgetragen, bis der Barren sein Verkaufsgewicht erreicht hat. Anschließend wird der sogenannte Rohling in der Prägemaschine vertieft punziert und erhält alle relevanten Angaben, ehe er zum Abschluss seine Seriennummer erhält.

2. Der Prägebarren

philoro Goldbarren geprägt

Geprägter Goldbarren von philoro

Beim Prägebarren sieht die Sache anders aus: Das geschmolzene Gold wird in einer speziellen Anlage zu Stangen gegossen, die dann zu einem Band mit bestimmter Stärke gewalzt werden. Durch das Walzen werden Luftbläschen, die zu Lasten des Feinheitsgehalts des Barrens gehen würden, verhindert. Im nächsten Schritt werden mit einem Pressdruck von satten 18 Tonnen identische Rohlinge ausgestanzt. Übrigens: Aus einer 1.000-Gramm-Stange können insgesamt 900 Ein-Gramm-Barren gefertigt werden. Der so entstandene Überschuss gelangt später erneut in den Produktionskreislauf. Alle weiteren Schritte gleichen jenen der Gussbarren-Herstellung – der Prägebarren erhält nun seine Identität, eher er in den Umlauf geht und im Bankschließfach oder Edelmetalldepot landet.


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