Goldene Gebäude: Architektur & Interieur

Ob bei den alten Pharaonen, im europäischen Barock oder im modernen Wohnzimmer: Gold spielt seit Langem eine Rolle in Architektur und Innenraumgestaltung – und verleiht Gebäuden mehr als nur Glamour.

Die Symbolik von Gold in der Architektur & Raumgestaltung

Was hat die Farbe Gold mit der Himmelsrichtung Südosten gemeinsam? Im Feng Shui eine ganze Menge: Beide stehen in der fernöstlichen Einrichtungslehre für Reichtum. Der glänzende Metallton soll aber nicht nur Wohlstand ins Haus bringen, sondern auch Glück. Darüber hinaus wird ihm nachgesagt, dass er das Selbstbewusstsein stärkt, die Konzentrationsfähigkeit steigert und Lebenskraft verleiht. Kein Wunder also, dass Interieur in China häufig goldene Elemente enthält.

Und auch in der Architektur glänzt die Glücksfarbe – sogar in Form von Echtgold. So wurden beispielsweise in der verbotenen Stadt in Peking die Dächer der meisten Hauptgebäude teilvergoldet.

Verbotene Stadt in Peking

Verbotene Stadt in Peking

Eine Vorliebe für goldene Elemente beim Bauen und Einrichten findet man aber nicht nur im Reich der Mitte. Sie zieht sich durch alle Kulturen. Die alten Ägypter dachten, dass die Haut der Götter aus Gold war und sagten ihm deshalb besondere Kräfte nach. Sie entwickelten eine hohe Expertise für die Verarbeitung des wertvollen Materials – die man etwa beim berühmten Thron des Tutanchamun bewundern kann. Er besteht aus vergoldetem Holz sowie Einlegearbeiten mit Goldblech, Silber und Halbedelsteinen und lässt eine vage Vorstellung davon aufkommen, welcher Prunk in den Palästen der Pharaonen geherrscht haben muss.


Gold in Innenräumen

Ebenfalls im heutigen Ägypten – aber mehr als tausend Jahre später – entstand ein Klassiker der gehobenen Tischkultur: Die Glasmacher von Alexandria entwickelten während der römischen Herrschaft die Technik des Zwischengoldglases. Dafür wurden Bild- oder Dekormotive aus Goldfolie zwischen zwei Glasschichten platziert, um Flaschen, Gläser und Vasen herzustellen. Böhmische Glasmacher griffen die Methode im 18. Jahrhundert auf. Seitdem zaubern solche Gläser auch in Europa Glanzeffekte auf Tische und in Regale. 

Gold im Wohnbereich ist aber mehr als ein dekorativer Talisman. „Die Bewohner der dunklen Häuser in früheren Zeiten ließen sich wohl nicht nur von der wundervollen Farbe des Goldes bezaubern, sondern kannten gleichzeitig seinen praktischen Nutzen“, schrieb der bekannte japanische Schriftsteller Jun’ichiro Tanizaki. „Während nämlich der Glanz von Silber und anderen Metallen bald verblasst, bewahrt ihn das Gold sehr lange – seine Leuchtkraft mildert so die Düsternis eines Innenraums.“

Goldene Beleuchtung

Bis heute wird die Farbe Gold gerne von Designern dazu verwendet, die Ausstrahlung von Beleuchtungskörpern zu unterstreichen. Wie gut das funktioniert, zeigt die Stehleuchte „Pearl“ von 101 Copenhagen, deren laternenförmige Lichtquelle aus Opalglas zur Hälfte hinter einem sanftgold-schimmernden Metallschirm verborgen ist. Oder die Pendelleuchte „24 Karat Blau“ aus dem Sortiment von Ingo Maurer, bei der kurzwelliges, blaues Licht durch vier Blattgold-Blenden hindurch scheint, während gelb-goldenes Licht reflektiert wird.

Goldene Räume

Wer es zu Hause noch „goldheller“ haben will, kann sich von legendären Glitzerräumen wie dem „Rokoko-Zimmer“ in der Wiener Albertina oder der „Kammer der Königin“ in Versailles inspirieren lassen. Auch die – passend zum güldenen Luster – mit Goldstuck verzierten Wände der Großen Galerie in Schönbrunn, die leuchtende Kuppel in der Lobby des Luxushotels Emirates Palace in Abu Dhabi oder die Zeno-Kapelle in Rom, deren Mauern und Gewölbe mit Mosaiksteinchen aus Gold bedeckt sind, zeigen eindrucksvoll, wie man einen Raum rundum zum Strahlen bringt.

Zeno-Kapelle in Rom

Zeno-Kapelle in Rom


Gold in der Architektur

Natürlich machen sich auch äußere Goldhüllen an Gebäuden gut. Man denke nur an das Goldene Dachl in Innsbruck oder die Wiener Secession.

Das Goldene Dachl in Innsbruck und die Wiener Secession

Das Goldene Dachl in Innsbruck und die Wiener Secession

Neuere Beispiele liefern etwa die Fondazione Prada in Mailand, das Hotel Dolce Hanoi Golden Lake in Vietnam oder „Der goldene Fisch“ in Barcelona.

Fondazione Prada von Rem Koolhaas

Fondazione Prada in Mailand

Fondazione Prada in Mailand

Die Fondazione Prada in Mailand, die der niederländische Architekt Rem Koolhaas vor sechs Jahren in Blattgold packen ließ, sticht Dank seiner glänzenden Fassade sofort ins Auge. Um „Respekt vor der Vergangenheit zu zeigen“ fiel die Wahl auf die Verkleidung mit dem Edelmetall. Faszinierend sind dem Architekten zufolge vor allem die Reflexionen, die von der goldenen Fassade an die gesamte räumliche Umgebung abgegeben werden.

La Fontaine Multisports Complex von archi5

Vorwiegend junge Menschen soll auch der La Fontaine Multisports Complex im französischen Antony unter seiner auffälligen, goldenen Dachkonstruktion versammeln. Die Architekten von archi5 aus Montreuil nennen das neue Sportzentrum in der Nachbarschaft einer Mittelschule, das sich trotz seiner ungewöhnlichen Erscheinung harmonisch in die umliegende Landschaft einfügt, liebevoll „Nugget“. Die perfekte Einbettung in das Umfeld gelang, indem das Dach wie eine fünfte Fassade behandelt wurde.

Hotel Dolce Hanoi Golden Lake

Hotel Dolce Hanoi Golden Lake in Vietnam

Hotel Dolce Hanoi Golden Lake in Vietnam

Im Hotel Dolce Hanoi Golden Lake in Vietnam erstrahlt nicht nur die mit 5.000-Quadratmeter-Echtgold bestückte Fassade, sondern auch das Innere in vollem Glanz: Vom Empfangsbereich über die Toiletten bis zu den Fliesen des Infinitypools dominiert die Luxusfarbe.

Château Rúban von Zoltán Bartal

Château Rúban in der Slowakei

Château Rúban in der Slowakei

Dezenter zeigt sich da schon das Château Rúban in der Slowakei: Bei dem Weingut, das auch Gästezimmer anbietet, verband Architekt Zoltán Bartal den Goldschimmer des hier gekelterten Weißweins mit den wellenförmigen Linien der hügeligen Landschaft zu einem schlichten und eleganten Spiegelbild von Natur und Wein.

„Der goldene Fisch“ von Frank Gehry

„Der goldene Fisch" in Barcelona

„Der goldene Fisch" in Barcelona

Oder man macht es wie Frank Gehry: Der Stararchitekt, der auch mit seinem „Goldenen Fisch“ an der Strandpromenade von Barcelona sein Faible für den warmen Edelmetallton beweist, lässt Gebäude wie das Guggenheim Museum in Bilbao, den Weinkeller Marqués de Riscal im spanischen Rioja oder den verspiegelten Turm des Arts Resource Building in Arles einfach je nach Tageszeit und Lichteinfall in Gold erstrahlen.


Interieur: Goldene Akzente setzen

In den eigenen vier Wänden reicht oft schon ein einzelnes Design-Goldstück, um einen selbstbewussten und luxuriösen Akzent zu setzen. Ob im Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer oder Bad – Interior-Designer haben für jede Räumlichkeit ganz besonders glänzende Highlights im Repertoire.

Gold im Wohnzimmer

Ganz leicht gelingt das etwa mit der Goldcouch „La Collina“ von Bretz. Eingerahmt von der sanft geschwungenen Rückenlehne fühlt man sich darauf wie ein gut eingefasstes Juwel. Wer es sich lieber auf dem Boden bequem macht, kann auf dem Teppich „Floor Jewels“  von Freifrau Manufaktur – einer Kooperation mit Designer Jan Kath – erfolgreich nach textilen Goldadern schürfen.

Gold im Esszimmer

Seit Langem beliebt ist Gold auch bei Tisch, etwa in Form von zarten Verzierungen an Speisegeschirr oder Kaffeeservice. Sollte das noch nicht ausreichen, so können Speisen und Getränke auch direkt mit Blattgold oder Goldstaub veredelt werden. Das Esszimmer-Interieur verträgt aber noch mehr – beispielsweise den „Golden Chair“ , ein Entwurf der Designerin Nika Zupanc für Moooi, oder „Omnia Ritual“ , ein anthrazitfarbenes Set mit Tellern, Schalen und Bechern von Fürstenberg Porzellan. Auf den Innenflächen wird eine 24-karätige Goldauflage von Hand aufgetragen und aufwendig feinpoliert. Das macht jedes Teil zu einem echten Unikat.
Vergleichsweise zurückhaltend präsentiert sich die Königsfarbe an den gertenschlanken Beinen des „Mix & Match Brass Grey Table“ , den Flavia del Pra für GAN designt hat.

Gold im Schlafzimmer

Mit dem „Corallo Bed“ , das vom Brüderpaar Fernando und Humberto Campana für Edra entworfen wurde, oder dem spacig-königlichen Bett „Moon“ von Savoir Beds bleibt die Goldliebe ein im Schlafzimmer gehütetes Geheimnis.

Gold im Bad

Verräterisch wirken da höchstens farblich abgestimmte Designs im angrenzenden Badezimmer – wie das weiß-goldene Ensemble aus Waschtisch, Bidet und Hänge-WC von Ceramica Catalano, dessen Außenseiten in einen metallischen Ton aus 18-karätigem Gold getaucht sind. Das Farbduo Weiß und Gold ist ein Klassiker, der sich generell im Badezimmer gut macht – sofern es nicht gegen Südosten ausgerichtet ist.

Goldene Einrichtung im Feng Shui

Womit wir wieder beim Thema Feng Shui wären: In der asiatischen Lehre vom glücklichen Wohnen wird von weißer Einrichtung in Räumen, die in diese Himmelsrichtung zeigen, eher abgeraten. Auch für die Farbe Gold gibt es bessere Bereiche als jene für Finanzen und Reichtum. Empfohlen wird sie etwa für den Südwesten, der für Ehe und Partnerschaft steht. Gelb, Rot und Beige sollen sich dort ebenfalls günstig auswirken. Was liegt also näher, als Gold mit diesen Farben zu mixen?
Man könnte sich beispielsweise einen traditionellen chinesischen Hochzeitsschrank zulegen – in Kirschrot und mit goldenen Beschlägen. Dann verbindet sich der Reichtum, der durch das Gold symbolisiert wird, mit der Liebe und Energie, die das Rot in den Raum bringt. Eine schöne Kombination!


Sie möchten mehrere Artikel wie diesen lesen?

Jetzt kostenloses Au79 Magazin-Abo bestellen!

Nach oben