Gold: Medizinische Wirkung & Heilkraft

Ob als Trank, Injektion oder Zahnfüllung – in der Medizingeschichte hat Gold immer schon eine Rolle gespielt. Denn das „Sonnenmetall“ galt bereits vor Jahrtausenden als erhoffter Heilbringer.

Verwendung von Gold in der Medizin
Gold wurde schon vor langer Zeit für medizinische Zwecke verwendet
© GettyImages

Es steht für großen Reichtum und besondere Seltenheit, symbolisiert dank seines beständigen Glanzes und seiner warmen Farbe die Sonne und gilt als etwas Kostbares – Gold ist nicht nur ersehntes Schmuckmetall, wertstabiles Zahlungsmittel und begehrtes Anlageobjekt, sondern wurde auch in der Medizin schon vor langer Zeit angewandt, um Menschen Heilung zu bringen. So war man schon vor mehr als 4.500 Jahren im alten Ägypten davon überzeugt, dass das Edelmetall nicht nur den Körper, sondern auch die Seele heilt: Medizinleute verabreichten es Menschen, um Beschwerden zu lindern und setzten es als Universalheilmittel ein, um Gesundheit und Jugend zu erhalten.

Mittelalter: Gold als Universalheilmittel

„Gold ist seit dem alten Ägypten Gegenstand einer fast kultischen Verehrung. Es hat immer schon einen ganz besonderen Status genossen und wurde mit der Sonne identifiziert. Insofern ist es nahe gelegen, dass die Menschen dachten, dass solch ein edles Metall auch eine heilsame Wirkung haben muss“, erklärt Herwig Czech, Historiker an der Medizinischen Universität Wien. Vor allem im Zuge der mittelalterlichen Alchemie, so der Medizinhistoriker, kam Gold große Bedeutung zu, wobei man die verschiedenen Rezepturen oft als Geheimnis hütete. Die deutsche Ärztin und Äbtissin Hildegard von Bingen zum Beispiel entwickelte als eine der Ersten im zwölften Jahrhundert eine Goldkur für Gicht- und Rheumakranke: Die berühmte Benediktinerin vermengte Dinkelmehl und Flussgoldpulver, um daraus Kekse zu backen, die ihre Patienten frühmorgens essen mussten. Die kundige Nonne war davon überzeugt, dass das Metall lange im Magen verblieb und Gichtbeschwerden so ein ganzes Jahr lang vertreiben würde. Sie empfahl es allerdings nicht nur Kranken, sondern auch Menschen, die keine Beschwerden hatten – um deren Gesundheit bis ins hohe Alter zu erhalten.

Gold im alten Ägypten

Im alten Ägypten wurde Gold verehrt - es sollte Körper und Seele heilen

16. Jahrhundert: Trinkbares Gold der Alchemisten

Theophrastus Bombast von Hohenheim wiederum, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus, verabreichte seinen Patienten in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts das edle Metall in Form von trinkbarem Gold, das Vitalität, Jugend, Gesundheit und Energie garantieren sollte. Historiker Herwig Czech sagt, dass man heute davon ausgeht, dass  der Goldanteil im sogenannten Aurum Potabile nur gering war. „Unter allen Elixieren“, erklärte der Schweizer Arzt und Naturphilosoph Paracelsus in einer seiner Schriften, „ist das Gold das höchste und das wichtigste für uns. Das Gold kann den Körper unzerbrechlich erhalten. Trinkbares Gold erneuert und stellt wieder her.“

Was heutzutage vor allem als Lifestyle-Produkt gilt, wurde dereinst auch als medizinisches Therapeutikum eingesetzt: Blattgold, das auf Speisen gestreut wird. Herwig Czech: „Die Medizin vor dem 19. Jahrhundert war nicht evidenzbasiert. Das bedeutet, dass es keine wissenschaftlichen Untersuchungen zur Wirkweise gab. Ärzte gaben aus heutiger Sicht oft abenteuerliche Ratschläge zur Erhaltung oder Wiedererlangung der Gesundheit. Dazu gehörte auch die Einnahme von Gold in Verbindung mit Speisen.“

Dabei verweist der Medizinhistoriker auch auf die Tatsache, dass Gold immer schon selten und kostbar war und die Gabe des edelsten aller Metalle auf die Schicht der Wohlhabenden beschränkt war. „Man könnte auch halb scherzhaft sagen, dass die wichtigste Funktion von Gold vor allem jene war, dass man mit ihm Ärzte für ihre Dienste entlohnt hat – und es dadurch mehr Zahlungs- als eigentliches Heilmittel war.“

Gold war immer schon mit den fantastischsten Versprechungen aufgeladen und hat unterschiedlichste Hoffnungen erweckt.
Univ.-Prof. Mag. Dr. Herwig Czech, Historiker an der Medizinischen Universität Wien

19. Jahrhundert: Gold gegen Syphilis und Tuberkulose

Doch warum setzte man Gold über so einen langen Zeitraum immer wieder ein? Herwig Czech erklärt, dass dem Edelmetall seit jeher eine allgemein positive Wirkung zugesprochen wurde, es aber auch bei verschiedensten Erkrankungen als heilendes Präparat verschrieben wurde: „Es war immer schon mit den fantastischsten Versprechungen aufgeladen und hat unterschiedlichste Hoffnungen erweckt. Im 19. Jahrhundert zum Beispiel wurde es gegen Syphilis und Tuberkulose eingesetzt.“

20. Jahrhundert: Gold gegen Rheuma und Arthrose

Ab den Zwanzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde Gold schließlich wieder vermehrt als jenes Mittel eingesetzt, als das es schon Hunderte Jahre zuvor Hildegard von Bingen verwendet hatte: zur Schmerz- und Entzündungsbehandlung für Menschen mit Erkrankungen wie Rheuma und Arthrose. Laut einer 2007 erstmals im „Journal of Leukocyte Biology“ veröffentlichten Untersuchung aus den USA und Schweden hat Gold in geringen Dosen eine spezielle Wirkung und kann Einfluss auf das menschliche Immunsystem nehmen. So verhindern Goldsalze, dass aus dem Zellkern von Immunzellen ein Protein austritt, welches in weiterer Folge Entzündungsreaktionen auslöst. Der Nachteil bei dieser Therapie: Die Injektionen von organischen Goldverbindungen sind mit Nebenwirkungen wie allergischen Hautreaktionen, Leberschäden und Veränderungen des Blutbildes verbunden und zeigen erst nach einem längeren Zeitraum einen therapeutischen Effekt.

21. Jahrhundert: Gold in der Zahnheilkunde 

Das ist mit ein Grund, weshalb Gold in der Schulmedizin heute nur noch in wenigen Fällen Verwendung findet und vor allem in alternativmedizinischen und esoterischen Kreisen eine Rolle spielt, wobei das dort verwendete kollodiale Gold in Form von Trinkkuren in seiner Wirkung nicht belegt und deshalb in der Schulmedizin nicht anerkannt ist. Der häufigste Einsatzbereich in der Humanmedizin: jener der Zahnmedizin in Form von Gold-Inlays. Denn: Gold ist leicht formbar und nicht zu fest – und so ideal geeignet, um Zähne zu füllen und für ein gesunden Biss zu sorgen.

Gold in der Zahnmedizin

In der Zahnmedizin wurde Gold ursprünglich nicht nur als Zahnfüllung, sondern auch für Prothesen eingesetzt

Veterinärmedizin: Gold gegen Gelenkbeschwerden

Was heutzutage in der Humanmedizin aufgrund der zahlreichen Nebenwirkungen und der erst spät einsetzenden Wirkung kaum noch Anwendung findet, wird in der Tiermedizin nach wie vor regelmäßig verwendet: Goldimplantate gegen Gelenkbeschwerden und zur Hemmung von Entzündungen. Bei Hunden und Katzen greift man gerne auf das Edelmetall zurück, wenn diese an alters- oder genetisch bedingten Gelenkproblemen leiden, entzündliche Hauterkrankungen haben oder Narben schneller heilen sollen. Bereits im Jahr 1975 wurden Hunden mit Hüftdysplasien an bestimmten Akupunkturstellen Goldimplantate gesetzt – mittlerweile wird diese Methode auch bei Katzen und Reitpferden angewandt, um die Leiden der Vierbeiner zu lindern und die Bewegungsfreiheit zu verbessern. Dabei gilt zu bedenken: Die Implantate können etwa Gelenkerkrankungen bei Tieren nicht heilen, sie können das Fortschreiten der Krankheit nur verlangsamen.


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