Edelmetalle in unseren Smartphones

Ein Blick ins Smartphone bringt Überraschendes zutage: Unter den Stoffen, aus denen die einzelnen Komponenten des Handys bestehen, finden sich auch wertvolle Metalle wie Gold.

Einzelne Komponenten eines Handys
In unseren Smartphones befinden sich bis zu 60 verschiedene Stoffe
© GettyImages

Wussten Sie, dass in Smartphones bis zu 60 verschiedene Stoffe enthalten sind? Neben Kunststoffen und Keramik, vielen speziellen Metallen, Kobalt, Gallium, Indium oder Palladium finden sich auch Kupfer, Aluminium sowie die Edelmetalle Gold und Silber. Warum die Technikindustrie auf diese Materialien zurückgreift und wie viel davon tatsächlich in unseren Handys steckt, erklärt Physiker Werner Gruber.

Wie viel Gold befindet sich in einem Smartphone?

Die tatsächlich verwendeten Mengen der wertvollen Rohstoffe pro Handy sind nur sehr gering – ein Smartphone enthält ungefähr 306 Milligramm Silber und 30 Milligramm Gold. Damit ist Gold leider in zu kleiner Menge vorhanden, als dass für den einzelnen Smartphone-Besitzer die Möglichkeit bestünde, damit Verkaufserlöse zu erzielen. Reich wird man damit also nicht.

Weltweit etwa 90 Tonnen Gold in Smartphones

Für die Großindustrie wird die Sache allerdings schon interessanter. Laut Statista gibt es 3,7 Milliarden Smartphone-Besitzer weltweit, und rund 1,7 Milliarden Smartphones werden jährlich neu produziert. Bei einem Gerät pro Person, kann man allein von 90 Tonnen Gold gebunden in Smartphones ausgehen. Und bei einem Preis von 1.500 Dollar je Feinunze entspricht dies einem Goldwert von rund 4,3 Milliarden US-Dollar.

Gold hat eine physikalische Eigenschaft, die es für die Prozessoren im Handy extrem wichtig macht: die Festigkeit. Dazu kommt noch eine hohe elektrische Leitfähigkeit.
Physiker Werner Gruber

Warum ist Gold in Smartphones wichtig?

Gold wird vor allem für stark beanspruchte Kontaktflächen verwendet. So sind etwa die Kontakte einer SIM-Karte oder am Akku mit Gold legiert, kleinere Mengen kommen auch in der Handyplatine vor. 

Warum erklärt Physiker Werner Gruber: 

„Gold hat eine physikalische Eigenschaft, die es für die Prozessoren im Handy extrem wichtig macht, das ist die Festigkeit. Ich kann Gold auf eine einatomige Lage mechanisch zusammenwalzen. Das kennen wir als Blattgold. Zu der extrem guten plastischen Verformbarkeit kommt noch eine hohe elektrische Leitfähigkeit. Es gibt kein anderes Metall, das diese Eigenschaft hat. Man darf aber nicht vergessen, dass in einem Handy nur sehr wenig Gold steckt. Es ist zwar dringend notwendig, aber in meiner Zahnfüllung ist mehr Gold als in einem Handy.“

Verwendung von Edelmetallen im Handy

Gold wird für stark beanspruchte Kontaktflächen im Handy eingesetzt

Und Werner Gruber bringt noch ein weiteres Beispiel, das die außergewöhnlichen physikalischen Eigenschaften von Gold beschreibt: „Am Beginn der Raumfahrttechnik waren goldbedampfte Raumfahrerhelme das einzige, das vor der UV-Strahlung im Weltraum geschützt hat. Heute gibt es andere Verfahren, mit denen man das genauso gut machen kann. Aber damals war Gold das einzige Material, das wirklich funktioniert hat.“

Ist das Gold in Smartphones ersetzbar?

Besteht die Möglichkeit, das Gold in Handys und Computern durch ein anderes Material zu ersetzen? Gibt es schon Alternativen, wie in der Raumfahrttechnik? 

Dazu der Physiker: „Man kann immer alles durch etwas anderes ersetzen. Die Frage ist aber, wie dick wird das Handy dadurch und wie teuer ist der Herstellungsprozess. Um dieselbe Leichtigkeit und denselben Preis zu erzielen, gibt es im Moment nichts, was vergleichbar ist.“

Faires Gold im Smartphone

Dem Nachhaltigkeitsgedanken folgend, gibt es auch das Bestreben, zertifiziert fair gehandeltes Gold in Smartphones zu verarbeiten. Ein Hersteller, der dies bereits umsetzt, ist die niederländische Firma Fairphone mit ihren betont nachhaltig und fair erzeugten sowie leicht zu reparierenden Geräten. Eva Gouwens, CEO von Fairphone: „Wir konnten Fairtrade-Gold und konfliktfreies Zinn, Wolfram und Tantalum in unsere Lieferkette integrieren. Zusammen mit unserer starken Community haben wir der Welt gezeigt, dass es fairere Produktionsmöglichkeiten und einen Markt für nachhaltigere Elektronik gibt. Wir konzentrieren uns auf unsere nächsten Schritte, um nachhaltigere Elektronik zur Branchennorm zu machen.“ Mittlerweile ist bereits die dritte Generation des modularen Smartphones auf dem Markt.

Lassen sich Smartphones recyceln?

Das Handy ist schon längst zum Alltagsgegenstand mit einer geringen Lebensdauer geworden. Die Innovationszyklen werden immer kürzer, die Wünsche und Ansprüche der Konsumenten steigen mit jeder Smartphone-Generation. Die Anzahl der Smartphones in den österreichischen Haushalten steigt ständig an. Jährlich werden über drei Millionen Handys in Österreich gekauft, und die alten Geräte treten ihren Weg in die Schublade oder in den Abfall an. Das sind mehrere Tonnen Handyschrott, von denen leider ein Großteil nicht in den Rohstoffkreislauf geht. Die Rohstoffvorkommen auf der Erde sind nicht unendlich. Umso wichtiger ist es, sie nicht sinnlos zu vergeuden.  Recycling und damit die Rückgewinnung der Metalle ist ein guter Weg, um diese knapper werdenden Ressourcen zu schonen. Und nicht zu vergessen: Mobiltelefone sowie die integrierten Batterien beinhalten auch nicht abbaubare Stoffe wie Arsen, Beryllium oder Quecksilber. Geraten diese Stoffe durch eine unsachgemäße Entsorgung in die Umwelt, können sie zum Beispiel über das Grundwasser die Umwelt belasten. Deshalb werden Mobiltelefone, die nicht weiter benutzt werden können, zerlegt, die Metalle zurückgewonnen und die Schadstoffe fachgerecht entsorgt, gibt man bei A1 Recycling Auskunft.

Innenleben eines Smartphones

Rund 95 Prozent der Edelmetalle im Handy können recycelt werden

Rohstoff Coltan zu 100% recycelt

Werner Gruber bringt in puncto Recycling einen weiteren wertvollen Rohstoff ins Spiel, der sich im Handy befindet: „Wenn Sie sich zum Beispiel Coltan anschauen, das ist ein wirklich kritisches Metall, das sich durch nichts ersetzen lässt. Da kann man nicht einmal rund herum bauen. Würde kein Coltan verwendet, wäre das Handy tatsächlich so groß wie ein Ziegelstein. Coltan wird zu 100 Prozent recycelt. Es befindet sich in den Kondensatoren im Handy, diese sind so angeordnet, dass man sie extrem leicht entfernen und recyclen kann. Coltan ist der wertvollste Industrierohstoff, den wir im Moment haben. Es ist nicht ersetzbar.“

Wiederverwendung von Edelmetallen

Bei Kupfer, Silber, Palladium oder Gold stehen beim Recycling Aufwand und Ertrag ebenfalls in einem guten Verhältnis. Rund 95 Prozent dieser Edelmetalle können wiederverwertet werden. Auch wenn in den Smartphones Edelmetalle wie Platin, Gold oder Silber nur in geringen Mengen verwendet werden, so lässt sich schon aus 40 alten Smartphones etwa genauso viel Gold „schürfen“ wie aus einer Tonne Erz gewonnen werden kann – nämlich circa fünf Gramm. Die Ausbeute aus einer Tonne alter Computer-Platinen kann sogar auf mehr als 200 Gramm kommen. Je älter die Technik, desto höher ist in der Regel der Goldanteil der Komponenten.

Recyclingprogramme von Technologie-Unternehmen

Der Smartphone-Hersteller Apple kann mit seinem Recyclingroboter „Daisy“ bis zu 1,2 Millionen Geräte pro Jahr demontieren. Die von Daisy wiedergewonnen Materialien werden in den Herstellungsprozess zurückgeführt. Dazu Lisa Jackson, Apples Vice President of Environment, Policy and Social Initiatives: „Fortschrittliches Recycling muss zu einem wichtigen Teil der Lieferkette der Elektronikindustrie werden und Apple geht einen neuen Weg, um unsere Branche voranzubringen. Wir arbeiten unerlässlich daran, Produkte zu entwickeln, auf die sich unsere Kunden lange Zeit verlassen können. Wenn es darum geht, sie zu recyceln, hoffen wir, dass Einfachheit und Nutzen unserer Programme jeden dazu anregen werden, seine alten Geräte zurückzubringen."


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