Ariane Golpira: Vom Model zur Goldgräberin

Ariane Golpira verließ vor dreißig Jahren Deutschland, um im Regenwald nach Gold zu suchen. Heute weiß das ehemalige Model, dass das Suchen oft glücklicher macht als das Finden.

Ariane Golpira: Vom Model zur Goldgräberin
Das ehemalige Model Ariane Golpira gab ihr Leben als Hoteldirektorin auf, um im Dschungel Perus Gold zu schürfen
© Riva Verlag

Es gibt Fotos von Ariane Golpira, da sieht sie aus wie eine Fassbinder-Schauspielerin, eine wie Barbara Sukowa, die in der Nähe des Berliner Alexanderplatz in verruchten Kneipen tanzt. Dann gibt es Fotos, die sie Anfang der 1980er-Jahre während der Model-Zeitenwende zeigen, knapp nach Uschi Obermaier, dem ersten deutschen Supermodel überhaupt, und weit nach Twiggy; Golpira, ein Model einer neuen, selbstbewussten Modelgeneration, die nicht nur Fleischbeschau, sondern auch Intellekt zeigen wollte – auf den Laufstegen und in den Magazinen der sich damals demokratisierenden Welt des Luxus und der Moden.

Und dann gibt es Fotos von Ariane Golpira, brünett, mit leichtem Rotton im Haar, mal strahlend grüne, mal strahlend graublaue Augen, wo sie im Dschungel sitzt, im Arm ihres Lebensgefährten Michael, schwarzhaarig, Taucheruhr, Jeanshemd, Frauentyp, hinter ihr große Bäume, scheinbar undurchdringliches Gestrüpp, der Geruch von Wildkatzen, die Ahnung von riesigen Schlangen und giftigen Fröschen. Die Fotos entstanden, als Golpira, eine richtig schöne Frau, den Modelberuf längst an den Nagel gehängt hatte, um sich im lateinamerikanischen Urwald eine neue Bleibe zu suchen und nach Gold zu schürfen, dem Metall, das eine so große Verführung ausstrahlt, dass selbst standhaft Besitzlose ihm verfallen.

Heute ist Golpira Anfang sechzig und erzählt in ihrem Buch „Dschungelleben“ über ihr wildes Leben und über das Goldsuchen, das sie nicht reich, aber erfahren machte.

Dschungelleben von Ariane Golpira

Lesestoff für Abenteurer: „Dschungelleben: Wie ich der Zivilisation den Rücken kehrte und als Goldgräberin mit meiner Tochter in den Urwald zog“ von Ariane und Gisa Golpira (Riva Verlag, Mai 2020)

Nach wie vor ist Golpira eine attraktive Frau; die Falten und die wenigen Altersflecken auf der gebräunten Haut können ihrer natürlichen Schönheit wenig anhaben. Und dann setzt sie ihr gewinnendes Lächeln auf, mit dem sie ein reiches Leben gewann – auch wenn manchmal nicht genug zum Essen da war.

Der Traum vom Abenteuer

Begonnen hat Golpiras Berufsleben als Hoteldirektorin ihres eigenen Hotels, das sie mit einem Kredit kaufen konnte, den keine Bank heute einer jungen Frau mehr auszahlen würde – ihr gewinnendes Lächeln. Nebenbei fing sie an, für Modekataloge vor der Kamera zu stehen. Golpira lernte einen Mann kennen, bekam ein Kind, eine Tochter, und träumte in der Provinz von einem anderen Leben. Dann kam dieser Michael, ebenfalls gewinnendes Lächeln, der Mann, der ihr Herz eroberte und der sie mit seiner Reise- und Abenteuerlust ansteckte. Sein Wunsch, fortzugehen, stieß bei ihr auf längst fruchtbaren Boden.

Aufbruch nach Peru

Als sie Deutschland verließ, um mit Michael nach Peru zu fliegen, in den Regenwald, um nach Gold zu schürfen wie hier schon die Spanier einige hundert Jahre zuvor, da tat sie etwas Unerhörtes: Sie nahm ihre vierjährige Tochter mit in die Ungewissheit, ein blutjunges, schutzbefohlenes Wesen, das nach landläufiger, nicht falscher Meinung die Sicherheit einer festen, gefahrlos erkundbaren Umgebung brauchte. Seltsamerweise, so sagt Golpira, kam Tochter Gisa, heute Mitte dreißig, mit dem Dschungel, den Eingeborenen und deren berechtigtem Misstrauen, der gefährlichen Tierwelt, besser zurecht als sie, die sich dem allen gewachsen hielt. Für Gisa war es spannend, und da gab es ja auch noch Michael, für den das Abenteuer kein Neuland war und der für die Kleinfamilie den Fels in der Brandung machte.

Ein Leben ferab der Zivilisation

Das Aufschlagen war hart, denn es war nicht geplant, den sicheren Boden eines Hauses unter sich zu zimmern. Stattdessen zog man Zelte auf, errichtete eine Art Feldküche und winkte den Begleitern zum Abschied, die sie mit Propangas und Lebensmitteln im feuchten Biotop zurückließen.

Ariane Golpira und ihr Leben im Dschungel

Ariane Golpiras abenteuerliches Leben im Dschungel

Was kann dort verzaubern? Das Echte, sagt Golpira in einem Interview, das Unverfälschte, eine Natur fernab jeder Zivilisation, eine Natur, die die Menschen eigentlich nicht kennen, die die Menschen auch nicht braucht, das Ausgeliefertsein, das Überleben. Und da waren noch der Dunst am Morgen und die vielen Geräusche, die sie nicht verstand, die nicht vertraut klangen, die aber von einer Welt und ihrem Dasein erzählten, die so fern wirkten wie der Mars. Es war, auf Erden, für einen Menschen außerirdisch.

Der erste Goldfund

Gold ließ sich tatsächlich finden. Golpira erzählt vom Suchen und Siebenlernen, von Tagen ohne Erfolg und dann von dem Tag, an dem ein Nugget in der Hand lag und das Sonnenlicht reflektierte – sein gewinnendes Lächeln. Nachdem die Lebenshaltungskosten nicht hoch waren, kam man mit Wasser, Luft, etwas gezuckertem Kaffee und Liebe durch – eine andere Art von Gold.

Ariane Golpira beim Goldschürfen

Goldschürfen verlangt einem eine ordentliche Portion Enthusiasmus ab, sagt Golpira. Das Gefühl, ein Goldnugget zu finden, ist dafür unbeschreiblich

Gab es denn keine ethischen Bedenken? Immerhin war der Goldrausch der Spanier in dieser Region für eine fürchterliche Versklavungs- und Ausrottungspolitik an den Ureinwohnern verantwortlich. Natürlich gab es die, antwortet Golpira in einem Radiointerview, doch man war gewiss, eine andere Art Mensch zu sein, bewusster und anständiger. Und sie haben nie auch nur einen Baum gefällt, um an Gold ranzukommen.

Rückkehr nach Deutschland

Monatelang dann nur Hülsenfrüchte und Reis; Goldschürfen verlangt einem eine ordentliche Portion Enthusiasmus ab, sagt Golpira. Als Tochter Gisa schulpflichtig wurde, hat Golpira sie zu unterrichten begonnen. Als absehbar wurde, dass ihr Kind, alleine im Urwald und ohne andere Kinder, in Gefahr war, den Anschluss an die Welt zu versäumen, buchte sie für alle die Tickets zurück nach Deutschland, um Gisa hier eine neue Heimat zu geben, eine Heimat kleiner Bäume, zahmer Tiere, sauberer Bürgersteige und gepflegter Vorgärten. Wie schon im Dickicht des Urwalds drei Jahre davor kam Gisa auch mit der neuen, alten Welt zurecht, mit Asphalt und Ampeln – und mit der Schule.

Das Abenteuer geht weiter

Doch der Urwald und das Goldschürfen riefen Ariane und Michael zurück in das Ungewisse, in die Zeltlager, zu den wilden Flüssen und den Verheißungen des Reichtums. Diesmal gingen sie nicht nach Peru, sondern nach Papua-Neuguinea, diesmal nahmen sie einen Zuchttier-Zoo, Hühner und Schweine mit, diesmal – und das war neu – packten sie auch Goldschürf-Schüler in das Flugzeug, abenteuerlustige Leute, die von ein bisschen Glück und ein wenig Reichtum träumten. Reich geworden ist keiner, besonnen, zufrieden, sogar glücklich so mancher. Ist es Ziel, den Traum zu leben? Ja, sagt Golpira.


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