Wenn Goldautos die Straße erobern

Wer besonderen Wert darauf legt, auf der Straße aufzufallen, greift zu einer extravaganten Farbgebung: Gold. Solche Luxusautos gehören in Dubai längst nicht mehr zu den Exoten, hierzulande sorgt die Allover-Goldverkleidung definitiv für Aufsehen.

Wenn Goldautos die Straße erobern
Für das „Classic Project Gold“ von Porsche wurde der 911er in schimmerndes Goldgelbmetallic getaucht.
© Porsche AG

Lamborghini, Maserati, Rolls-Royce – an der französischen Riviera trifft man bekanntlich nicht nur auf die Crème de la Crème des internationalen Jetsets, sondern auch auf die dazugehörigen Automobile der Luxusklasse. Besonders während der Filmfestspiele in Cannes verwandelt sich die Küstenstraße, die unter Palmen an den altehrwürdigen Nobelhotels vorbeiführt, in eine Bühne für die vierrädrige Elite. Um hier mit seinem Fuhrpark beachtet zu werden, muss man sich allerdings schon etwas Außergewöhnliches einfallen lassen. Dem deutschen Autohersteller Daimler gelang das während des Filmfestivals 2012. Als Hommage an den 65. Geburtstag der „Goldenen Palme“ bot man den VIP-Gästen einen ganz besonderen Shuttle-Service: Sie wurden in goldfarbenen Fahrzeugen der Marke Mercedes-Benz zur Preisverleihung kutschiert.

Goldene Luxusautos in London

So mancher VIP fährt allerdings lieber in seinem eigenen Goldauto – das idealerweise nicht nur mit goldener Farbe lackiert, sondern mit Echtgold ausgestattet ist. So sorgten etwa vor einigen Jahren in London mehrere hochkarätige Glitzerfahrzeuge für Aufsehen, von denen gemunkelt wurde, sie würden allesamt dem saudischen Prinzen Turki bin Abdullah gehören. Der junge Scheich soll für einen England-Aufenthalt im Frühjahr 2016 vier vergoldete Vehikel – einen Bentley, einen Rolls-Royce, einen Lamborghini und einen Mercedes AMG – eingeflogen haben, die in den Westlondoner Straßen für glanzvolle Momente sorgten und nebenbei noch einige Strafzettel für Falschparken kassierten. Darüber hinaus soll der Milliardär noch einen Bugatti Veyron und einen Porsche 918 Spyder in Goldhülle sein Eigen nennen. Mehr Aufsehen als der ganze Fuhrpark des königlichen Gastes erregte allerdings ein Reporter der englischen Zeitung „The Sun“, der seinen preiswerten Ford Ka in Goldfolie einpackte und sein Fahrzeug hinter den Karossen des Prinzen parkte. Ob auch er einen Strafzettel kassierte, wurde nicht kolportiert.

Probleme für Goldauto-Lenker in Deutschland

Fest steht, dass die Ausfahrt mit einem goldenen Automobil in Deutschland zu Problemen mit der Polizei führen kann. Anders als in Dubai, wo solche Luxuswagen durchaus zum alltäglichen Stadtbild gehören, wurden zwei mit Goldfolie beklebte Autos in Hamburg vor zwei Jahren aus dem Verkehr gezogen. Der Grund dafür: Sie reflektierten so stark, dass sie aus Sicht der Ordnungshüter eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer darstellten. Konkret handelte es sich dabei um einen Lamborghini Aventador S Roadster und einen Porsche Panamera Turbo. Der Fahrer des Porsches soll die Auflage, die Folie zu entfernen, zunächst ignoriert haben – was zu einer Fahndung und zum Verlust der Zulassung führte. Der Lamborghini-Lenker zeigte sich einsichtiger und zog die Goldhülle, in die er Medienberichten zufolge rund 4.000 bis 5.000 Euro investiert hatte, wieder ab. Auf eine Folierung verzichten wollte er aber auch in Zukunft nicht, hieß es. Deshalb wäre er auf der Suche nach einem Farbton, der nicht blendet. Ob er damit wohl Mattgold meinte?

In neuem Glanz erstrahlt jedenfalls das fahrende Goldstück eines prominenten Fußballers, der deutschen Polizisten wohl nicht mehr allzu häufig in die Quere kommen wird. Der ehemalige BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, der mittlerweile in London lebt, ließ kürzlich einen seiner goldenen Flitzer umgestalten, möglicherweise um seiner Frau Alysha eine Freude zu machen. Wie die Instagram-Posts einer exklusiven Londoner Autowerkstatt im Jänner zeigten, wurde ein Lamborghini Urus der Familie Aubameyang mit einem neuen Lack in Chrom-Rosé-Gold-Optik versehen.

DIY-Vergoldung mit Blattgold

Es gibt aber auch Petrolheads, die ihr Lieblingsauto eigenhändig in Gold tauchen. Einer davon ist All Naeemi. Nachdem dem Nürnberger vor zwölf Jahren die serienmäßige Silberfarbe seines Pontiac Trans Ams zu bieder wurde, folierte er den Wagen zunächst im Chrom-Look und gewann damit einen Pokal auf der Tuningmesse. Die Freude darüber hielt bis 2013. Dann sah Naeemi eine Dokumentation über die Herstellung von Blattgold und hatte eine neue Idee: In unzähligen Arbeitsstunden verwandelte er sein US-Car mit einer üppigen Goldbeschichtung und einem Topping von über 300.000 Strasssteinen in einen fahrenden Klunker.
Die Herausforderung bestand darin, das schnell reißende Blattgold auf der Karosserie anzubringen. Bevor die hauchdünnen Plättchen auf der Fahrzeugoberfläche verlegt werden können, muss diese gereinigt, entfettet und mit einem Kleber vorbereitet werden. Erst danach kann man das Gold – idealerweise in mehreren Schichten – auflegen. Anschließend wird das Gesamtkunstwerk poliert und mit mindestens zwei Schichten Klarlack lackiert, damit die ganze Pracht auch einer Autowäsche standhält. Allein den richtigen Klebstoff zu finden, kostete All Naeemi Monate, von den finanziellen Ausgaben für die Beschichtung gar nicht zu reden. Insgesamt ein Kilo Gold im Wert von fast 50.000 Euro soll der Autobastler laut auto-motor-und-sport.de verbraucht haben, die zusätzlich angebrachten Glitzersteine und die Handarbeit trieben den Wert noch in die Höhe. 2015 wurde der Pontiac, der normalerweise für rund 7.000 Euro gehandelt wird, um 3,4 Millionen Euro auf einem Gebrauchtwagenportal angeboten – wo sich prompt ein Interessent aus Dubai meldete.


Goldener Porsche

Goldauto Porsche 911 Turbo S

Limitierte Exclusive Edition des Porsche 911 Turbo S

In manchen Fällen kommt die Vergoldung aber auch direkt vom Hersteller. So brachte etwa Porsche vor einigen Jahren den 911 Turbo S als limitierte Exclusive Edition auf den Markt – mit goldgelbem Lack, Veredlung in Handarbeit und einem satten Sonderpreis von 259.992 Euro. Dafür wird aber auch einiges an Luxus geboten: Die 500 Exemplare rollen serienmäßig auf schwarz lackierten 20-Zoll-Rädern, deren Designlinien in Goldgelbmetallic mit einer neuen Lasertechnologie aufwendig bearbeitet wurden. Die gleiche Farbgebung zieht sich auch durch den Innenraum: Über die 18-fach verstellbaren Sportsitze spannen sich perforierte Lederbezüge, die darunterliegende Schicht ist in zwei Streifen in Goldgelb ausgeführt. Auch der Dachhimmel zeigt eine goldgelbe Doppelstreifenoptik. Und in den Zierleisten des Interieurpakets Carbon sind feine goldfarbene Metallfäden eingebettet.


Goldener Bufori Geneva

Goldauto Bufori Geneva

Die goldfarbene Luxuslimousine Geneva präsentierte Bufori 2010 beim Genfer Autosalon.

Der mondäne Look von Gold wird noch verstärkt, wenn das Fahrzeug aussieht, als wäre es der goldenen Ära von Hollywood entsprungen. Der in Malaysia produzierende Hersteller Bufori präsentierte beim Genfer Autosalon 2010 ein goldfarbenes Modell seines Geneva, der sich vom Design her an Oberklasselimousinen aus den 1930er-Jahren orientiert. Seine schimmernde Außenhaut besteht aus einer Mischung aus Carbon und Kevlar, die mit Vinylester verstärkt wird, beim Innenraum versuchte Bufori, neue Maßstäbe in Sachen Luxus zu setzen. So findet man auf Wunsch nicht nur verstellbare Ledersitze, Echtholz-Einlagen, Ambiente-Beleuchtung und das obligatorische Champagner-Kühlfach, sondern auch einen Safe, einen Humidor und einen herausklappbaren Picknicktisch. Auf dem kann man auch kultiviert Tee trinken, denn eine kleine Porzellanteekanne und ein Heißwasseranschluss im Kofferraum gehören ebenso zur Ausstattung.


Goldener Mini Paceman

Was Fans von besonderen Details sonst noch begeistern könnte? Nun, zum Beispiel der Mini, der 2013 beim Wiener Life Ball zugunsten der Aidshilfe für 150.000 Euro versteigert wurde. Der italienische Modeschöpfer Roberto Cavalli hatte dafür einen Paceman umgestylt und ihn mit einem goldenen Dach versehen, auf dem das fashionable Logo des Designers prangte. Der Rest des modischen Gefährts wurde mit einem Speziallack eingekleidet, der je nach Lichteinfall von schwarz bis braun schimmerte. Ledersitze mit goldenen Ziernähten sowie Animalprints auf dem lederverkleideten Lenkrad rundeten den extravaganten Look ab.


Goldener Fiat 500

Goldauto Fiat 500

Mit Echtgold versehen soll der Fiat 500 Dolce Vita von Veredler Fenice Milano an die goldene Ära des italienischen Kinos erinnern.

All jene Kleinwagenfans, die das Unikat nicht ergattert haben, durften sich mit etwas Glück mit einem Fiat 500 Dolce Vita trösten: Der luxuriöse Stadtfloh des italienischen Veredlers Fenice Milano wurde bereits 2010 mit 24-karätigem Gold ausgestattet, das sowohl im Lack als auch bei diversen Details im Wageninneren zum Einsatz kam. Bei den Armaturen paarte sich das Wertmetall mit edlen Hölzern wie Teak. Insgesamt sollte der Look an die goldene Zeit des italienischen Kinos erinnern – daher kommt auch der Name.


Zweimillionster Opel mit Goldakzenten

Natürlich geht es auch dezenter: Als Opel am 9. November 1956 das zweimillionste Auto von den Bändern ließ, handelte es sich dabei um einen Opel Kapitän – und zwar um einen, der zur Feier des Tages besonders elegant herausgeputzt wurde: Überall dort, wo normalerweise Chrom blitzt, bekam der damalige Oberklassewagen einen Überzug aus 24-karätigem Gold. Auch das Interieur wurde an die Kombination von cremeweißem Lack und goldenen Akzenten angepasst. Das Ergebnis war ein unaufdringliches Schmuckstück, das bis heute als Maßstab für stilvolles Goldtuning dient.


BMW mit goldenen Details

Goldauto BMW Edition Golden Thunder

Die „Edition Golden Thunder“ von BMW besticht mit schimmernden Details.

Noch unaufdringlicher zeigt sich die „Edition Golden Thunder“, mit der BMW letzten Sommer seinen 8er ins Rennen schickte. Sorgsam ausgewählte Farbakzente in Gold – wie die sanft glänzenden Linien, die von der Front bis zur Heckschürze führen – verhelfen dem Bayern zu einem souverän-glamourösen Auftritt. Passend dazu sind die Außenspiegelklappen, der Heckspoiler sowie die Leichtmetallräder in Gold gehalten. Damit man bei all dem Understatement nicht vergisst, in welchem Luxusgefährt man sitzt, zieren Interieurleisten in der Ausführung Aluminium Mesheffect Gold sowohl das Coupé als auch das Gran Coupé der Edition.


Goldene Modellautos

Teuerstes Modellauto Lamborghini Aventador

Das teuerste Modellauto der Welt konzipierte der deutsche Robert Gülpen: einen Lamborghini Aventador im Maßstab 1:8.

Und wenn einem das zwar genug Gold, aber zu viel Auto ist – etwa, weil man gar keinen Führerschein besitzt? Dann könnte man an einer Miniatur Gefallen finden. Die beeindruckendste stammt wohl vom deutschen Modellbauer Robert Gülpen, der 2013 einen Lamborghini Aventador im Maßstab 1:8 konzipierte. Die 25 Kilogramm schwere Karosserie des 60 Zentimeter langen Sammlerobjekts wurde aus massivem Gold gefertigt und einem 500 Kilogramm schweren Goldblock gefräst. Die Sitze des kleinen Sportwagens verzierte Gülpen mit je 700 Edelsteinen. Das schlägt sich freilich im Preis nieder: Der übersteigt den des großen Bruders um das 25-Fache und sicherte der Miniversion einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde als „teuerstes Automodell der Welt“.

So viel muss man aber nicht zwangsläufig ausgeben, um ein Glanzstück auf Rädern in der Wohnzimmervitrine zu parken und etwas Glamour in die eigenen vier Wände zu bringen. Ein goldfarbener Mercedes-Benz im Maßstab 1:18 kostet nur 99,90 Euro und liefert auch ein bisschen Luxus. Immerhin wird er aus 120 Einzelteilen handmontiert, Türen und Heckklappe lassen sich öffnen und das angebotene Modell im Late-Sixties-Style weist eine originalgetreue Darstellung sämtlicher Interieurdetails auf. Am besten platziert man ihn gut sichtbar vor einem blauen Hintergrund und stellt eine Bonsai-Palme daneben. Dann fühlt man sich schon fast wie an der französischen Riviera.


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