Gold im Film

Klappe für Gold: Das glänzende Edelmetall spielt in Filmen oft und gerne die Hauptrolle. Denn der Ruf der gleißenden Barren ist auch auf Zelluloid unüberhörbar.

Gold im Film
Es gibt etliche Filme, die das Thema Gold aufgreifen. Das glänzende Edelmetall symbolisiert dabei häufig Erfolg, Ausstieg oder Reichtum - und wird oft von Sehnsucht und Gier beherrscht.
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Gold im Film. Ein Thema, bei dem man nicht weiß, mit welchem Film man anfangen soll, so viele gibt es. Gold im Film, das bedeutet immer, dass Autoren, Regisseure und Produzenten gleich mehrere Themen zusammenfassen, die mit dem in Barren gegossenen oder zu Schmuck verarbeiteten Edelmetall im Prinzip wenig zu tun haben. Sämtliche dem Gold zugeschriebenen Themen – Fortüne, Beweis des Selbst, Ausstieg oder Reichtum – beherrscht die alles umklammernde Sehnsucht nach Gold. In Filmdrehbüchern werden diese Sehnsucht, die sich nicht selten zur Gier auswächst, und die Lust, Gold nicht auf normalem Weg zu erwerben, immer nur zwei Personengruppen zugesprochen: Räubern und Schatzsuchern .

Auch klar, denn die Moral muss siegen: Nur selten bekommen beide Gruppen am Ende das, was sie wollen. Die Räuber enden im Knast oder als Leichen, die Schatzsucher sterben bei der Suche oder finden in der süßen Resignation Trost, nachdem sie realisieren mussten, dass Gold zwar vieles, aber nicht alles auf der Welt ist, dem es nachzujagen lohnt. Oft, vor allem in älteren Filmen, hat dieses süße Resignieren auch damit zu tun, dass die Schatzsucher statt Gold die Liebe einer Frau entdecken; einer Frau, die im Film zu Hause wartet und das Unterfangen der Schatzsuche in Briefen skeptisch begleitet. Resümee: Was brauchst du all das Gold, wenn du mich haben kannst, wenn du mich gewonnen hast? Ich bin dein Haupttreffer im Leben; ich bin das Gold, das du suchst. Filme, die Gold als Thema haben, gibt es zu tausenden. Wirklich gute Filme mit der Hauptrolle Gold aber nur zwei Dutzend. Wir haben die alten DVDs rausgekramt und uns vor den Laptop gesetzt.

Ich hatte einen Traum, so als würde mich jemand rufen. Es war das Gold, das mich rief.
Matthew McConaughey als Kenny Wells in „Gold“, 2016

Gold, das wissen Gangster, liegt entweder in Fort Knox , dem zentralen US-Golddepot, oder in den Kellern der Schweizer Banken. Gold, das wissen Gangster auch, liegt manchmal in den Tresorräumen gutbesuchter Casinos in Las Vegas. Wozu das geraubte Gold gut sein soll, ist in Filmen immer recht schnell klar: Es soll den Gangstern, Urheber oder Ausführende mit Anteilsrecht, ersparen, ihr restliches Leben wie normale Menschen arbeiten zu müssen. Der Goldraub ist also immer auch die große Phantasie des Ausstiegs aus dem mehr oder minder bürgerlichen Erwerbsleben, denn Raub und Diebstahl werden von den meisten Filmgaunern – in ihrer Logik absolut verständlich – als normale Arbeit wahrgenommen.
Fort Knox ist heute nicht mehr das einzige Lager der US-Goldschätze. Seine Bedeutung fiel nach und nach mit dem Ende der Goldpreisbindung des Dollars Anfang der 1970er-Jahre.


James Bond 007 – Goldfinger

Fort Knox, das war vor bald 60 Jahren das Ziel des Schwerverbrechers Auric Goldfinger, gespielt von Gert Fröbe, in dem gleichnamigen James Bond-Blockbuster aus dem Jahre 1964. Goldfinger, dem im Englischen bewusst der zynische Akzent eines preußischen Generals gelassen wurde (was in Deutschland zu Protesten führte), hat die schlichte wie einleuchtende Idee, mit dem Raub der US-Goldvorräte die Vormacht des Dollars zu brechen und der Weltwirtschaft – die damals, im Gegensatz zu heute, nur gering fragil war – einen lähmenden Schock zu versetzen.

Ein sinistrer Angriff auf den Westen und seine Werte also, die zu dieser Zeit mit Gold gewogen wurden. Fort Knox, eine graue, unwirtliche Burg, wäre auch heute noch ein veritables Einbruchsziel, denn immer noch lagern 147 Millionen Unzen Gold unter dem von der Hauptstraße aus gut sichtbaren Stahlbetonblock. In den 1950er- und 1960er-Jahren waren es tatsächlich zwischen 500 und 550 Millionen Unzen, die größte Menge an Gold, die ein Staat damals aufweisen konnte. Es ist grotesk, aber es war gerade der James Bond-Film, sagt die Legende, der die US-Behörden auf die Schwäche dieser großen, zentralen Lagerstätte aufmerksam machte und die Dezentralisierung einleitete. Außer in Drehbüchern ist es aber noch keinem Gangster eingefallen, Fort Knox auszurauben – das wäre quasi Selbstmord.


Black Sea

Das alte Problem des Beute-Teilens ist auch im Film „Black Sea“ das zentrale Thema – und nicht das Gold selbst. Denn immer, wenn eine Gruppe von Gangstern aufbricht, um Gold zu rauben, stellt sich für Drehbuchautoren wie selbstverständlich dar, dass unter ihnen nicht gerecht geteilt wird. Gerechtes Teilen von erbeutetem Gold und Geld: Das ist ausnahmsweise einmal in „Ocean´s Eleven“ von Steven Soderbergh, einem der smartesten Casinoraub-Gangsterfilme, der Fall. Sonst praktisch nie.

Listen Robinson, we are going to be on this submarine with these men and it is going to be full of gold, right? What happens when one of them starts to figure out that their share gets bigger when there is less people to share it with?
David Threlfall als Peters im Film „Black Sea“, 2014

In „Black Sea“ wird auch das zweite Goldschatz-Mysterium behandelt, das das Thema Fort Knox noch in den Schatten stellt: der legendäre Nazi-Goldschatz. In diesem Film ist es ein deutsches U-Boot, das die Nazi-Goldbarren bei Kriegsende in Sicherheit bringen sollte – und dabei sank. Das Boot wird spektakulär geborgen, doch rund um die Bergung und die Ausschiffung entstehen Intrigen und Mordpläne. Am Ende überleben gerade einmal zwei Männer des großen Teams, und die beiden machen vor dem Abspann auch keinen glücklichen Eindruck. Merke: Die illegale Jagd nach Gold mag zwar Gewinner zeitigen, diese sind aber durch den brutalen Verlauf des Raubs für immer traumatisiert.


Stirb langsam – jetzt erst recht

Die letzte größere Menge Goldbarren, die in einem Film zu sehen war, sind die immens vielen Goldbarren in „Stirb langsam – jetzt erst recht“ aus dem Jahre 1995. Dieser Blockbuster erzählt von dem versuchten Raub einer großen Goldbarrenmenge aus einem Depot der Federal Reserve Bank in New York – und auch ein bisschen von der Dezentralisierung von Fort Knox.
Der Gangster hier heißt Simon Gruber (gespielt von Jeremy Irons), er ist der zweite böse Deutsche, der in Blockbustern dem Ruf des Goldes nach Amerika folgt – und in diesem Fall ein Elitesoldat der untergegangenen DDR. Natürlich misslingt der Plan, den Raub der Goldbarren wie die Folgen einer – im Zuge des Raubes entstandenen – Explosion aussehen zu lassen: Verbrechen dürfen sich nie lohnen.

Die tausenden im Film verwendeten Goldbarren aber sind immer noch unterwegs – als geschätzte Sammlerstücke, die für rund 500 Euro Käufer finden; ein stolzer Preis für im Grunde wertlose Replikate aus Hartplastik. Das „Stirb langsam“-Gold ist damit das teuerste Gold-Imitat der Welt.


Schatz der Sierra Madre

Der Gold-Schatzsucher-Film schlechthin: In der „Schatz der Sierra Madre“ geht es um keinen Piratenschatz, sondern um eine legendäre Goldader, die nur in Erzählungen existiert und noch keiner gefunden hat. Der Film von Regisseur John Huston erzählt aber vor allem von der amerikanischen Go-for-Gold-Legende, die nach den Funden von Klondike zwischen 1896 und 1898 das Land und die ganze Welt in Atem hielt. Tausende Schatzsucher zogen mit einfacher Ausrüstung an den Fluss, um hier ein Vermögen zu sieben – den Wenigsten gelang es jedoch, mit dem Erlös auch nur die Rückreise nach Hause zu bezahlen.

I know what gold does to men‘s souls.
Walter Huston als Howard in „Der Schatz der Sierra Madre“, 1948

Es ist der alte Traum der „Miserables“, wie sie der französische Schriftsteller Émile Zola in seinem gleichnamigen Roman nannte, der von der Welt Zurückgelassenen, auch einmal im Leben vom Glück begünstigt zu werden. Fred Dobbs (Humphrey Bogart), Howard (Walter Huston) und Bob Curtin (Tim Holt) stranden als Gelegenheitsarbeiter in Mexiko. Dort gehen sie dem Hörensagen nach, in der Wüste der Sierra Madre – einem der vielen unwirtlichen Orte in Amerika – existiere eine unentdeckte Goldmine. Die Suche ist mühsam, das Trio fast am Resignieren, als es draufkommt, dass der Sand, auf dem sie stehen, Goldstaub ist – frei liegendes, vom Wind durch die dürre Landschaft gewehtes Gold. Sie machen sich ans Graben und sind erfolgreich. Das viele Gold, das sie finden, reicht locker für einen Neuanfang – doch sie haben eher schlichte Pläne. So träumt Curtin beispielsweise lediglich davon, eine Pfirsichplantage zu errichten: einfache Ziele, einfache Menschen. Natürlich verursacht das gefundene Gold gegenseitiges Misstrauen, die Männer streiten. Aber ein gemeinsamer Feind, eine mexikanische Outlaw-Bande, bringt sie im Kampf wieder zusammen. Am Ende wird Dobbs enthauptet, Howard bleibt als Medizinmann bei den Indios in Mexiko und Curtin kehrt mit dem Geld, das der Verkauf der Ausrüstung bringt, in die Staaten zurück. Und das Gold, das den Dreien ein besseres Leben sichern sollte? Das, also den Goldstaub, haben die Tumben einfach wieder auf den Boden gekippt, wo er vom Wind verweht wurde.


Gold

„Gold“, ein Film aus 2016, der leider nie den Weg in die heimischen Kinos fand, ist quasi eine Neuauflage des „Sierra Madre“-Themas – nur dass das Gold, das die Amerikaner suchen und finden, diesmal in Indonesien, auf Borneo liegt. Wieder gibt es Intrigen und Machtkämpfe; die eigentlichen Bösen sind aber die Wall Street-Konzerne, die den erfolgreichen Goldsucher, den ehemaligen Bergbau-Versager Kenny Wells, umgarnen und um sein Gold erleichtern wollen. Nach einigen Wirren und nachdem sich herausgestellt hat, dass die Goldader ein Fake ist, bleibt Wells nur, sich sein Versagen und seine Gold-Phantastereien einzugestehen. Aber weil man in Hollywood nicht schon wieder ein resignatives Ende eines Schatzsucher-Epos wollte, bekommt Wells in den Schlussminuten dann doch noch einen Batzen Geld – und bleibt der einzige klassische Goldsucher im Medium Film der modernen Zeit, der tatsächlich nie wieder arbeiten muss.

Gold im Film wird das bleiben, was es für Drehbuchautoren ist: Das gelbe Edelmetall, das Verführung und Scheitern bedeutet.

Dieses Gefühl kann man unmöglich beschreiben, aber es ist faszinierend, wie ein bisschen Gold alles verändert.
Matthew McConaughey als Kenny Wells in „Gold“, 2016

Im echten Leben ist das gottlob anders. Was auch bleibt: Gold zeichnet sich für die schönste Leiche der Filmgeschichte verantwortlich: Die von Auric Goldfinger mittels eines Goldüberzugs erstickte, nackt auf dem Bett liegende Mätresse Jill Masterson (Shirley Eaton): Nie sah man den Tod gold‘ner glänzen.


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