Chopard-Chefin Caroline Scheufele über nachhaltigen Luxus

Sie betörte ihre ersten Kundinnen mit Schokolade, trägt Gold in allen Farbnuancen und beweist mit ihrer „Green Carpet“-Kollektion das richtige Gespür für die Themen der Zeit. Caroline Scheufele, Artdirektorin und Co-Präsidentin des internationalen Edeljuweliers Chopard, über nachhaltigen Luxus.

Chopard Co-Präsidentin Caroline Scheufele
Nachhaltiges Engagement in der Luxusbranche: Chopard-Chefin Caroline Scheufele im Interview
© Alexandra Pauli für Chopard

Wie kamen Sie auf die Idee nachhaltige Schmuckkollektionen zu lancieren?

Caroline Scheufele: Ich habe vor einigen Jahren die italienische Filmproduzentin Livia Firth bei der Oscar-Verleihung getroffen. Sie erzählte mir von ihrer Agentur Eco Age, die Marken betreffend nachhaltigen Luxus berät und fragte mich, woher wir unser Gold beziehen. Ich wusste es nicht. Diese Begegnung machte mir klar, dass auch wir etwas tun mussten. Mein erster Gedanke war, dass Luxus transparent sein sollte. Schöne Produkte zu besitzen, ohne zu wissen, unter welchen Umständen sie geschaffen wurden, fühlt sich am Ende nicht richtig an. Ich glaube, wenn man etwas Einzigartiges und Besonderes hat – und ich habe das Vergnügen und die Ehre, mit den schönsten Edelsteinen unseres Planeten und natürlich mit Gold, einem unserer Schlüsselmaterialien, zu arbeiten –, muss man dafür das Beste verwenden.

Was verstehen Sie unter nachhaltigem Luxus?

Caroline Scheufele: Nachhaltiger Luxus bedeutet in erster Linie, den Planeten und die Menschheit zu respektieren sowie eine bestimmte Art und Weise, wie Produkte in unserer schnelllebigen Zeit erzeugt und verwendet werden. Ich denke, wir sollten achtsamer sein bei dem, was wir konsumieren und tun.

Welche waren Ihre ersten Maßnahmen?

Caroline Scheufele: Es war anfangs ein schwieriger Prozess. Als wir die ersten 60 Kilo ethisches Gold aus der Mine in Kolumbien erhielten, mussten wir zuerst unsere Mitarbeiter schulen. Die Herstellung der ersten Modelle war eine große Herausforderung, da wir ihre Herstellungsprozesse von der restlichen Produktion trennen mussten, um sicherzustellen, dass dieses Gold nicht mit traditionellem Gold verschmolzen wurde. Mittlerweile arbeitet die ganze Manufaktur so. Wir haben es also geschafft!

Wann wurden die ersten nachhaltigen und fairen Schmuckstücke lanciert?

Caroline Scheufele: Wir haben erstmals 2014 die Palme d’Or als globales Symbol für Erfolg aus verantwortungsbewusstem Gold produziert. Es war eine gute Gelegenheit, die Medien auf unser Engagement aufmerksam zu machen. Bald danach folgten auch unsere ersten Schmuckstücke. Es ist gut, zu wissen, dass in den Minen, mit denen Chopard arbeitet, keine Kinder beschäftigt werden. Und dass wir umweltschonend Gold fördern, die Minen sicher sind und dass Bergleute ein festes Gehalt haben, damit sie sich um ihre Familien kümmern können.

Hatten Sie Gelegenheit, eine der Minen, mit denen Sie arbeiten, zu besuchen?

Caroline Scheufele: Ja, ich habe bereits einige unserer nachhaltigen Minen gesehen, zuletzt eine Diamantenmine. Es ist sehr interessant, denn auch in diesen Ländern sind Veränderungen zu diesem Thema merkbar.

Egal, um welche Branche es sich handelt, die Kunden entscheiden sich, wenn sie die Wahl haben, für nachhaltige Produkte. Je mehr jeder Einzelne macht, desto mehr wird diese Philosophie allmählich an Terrain gewinnen.
Caroline Scheufele, Artdirektorin und Co-Präsidentin von Chopard

Wie reagierte die Luxusbranche auf Ihr Engagement?

Caroline Scheufele: Als ich anfing, schauten mich alle an, als würden sie sich sagen: „Mal sehen, was sie tun wird.“ Mittlerweile haben sich viele große Banken, die mit Minen arbeiten, auf ESG-Investitionen (Environment, Social and Governance) konzentriert, da diese immer gefragter sind. Auch in der Modebranche passiert viel. Hier wird Nachhaltigkeit ebenfalls immer wichtiger. Ganz egal also, um welche Branche es sich handelt, die Kunden entscheiden sich, wenn sie die Wahl haben, für nachhaltige Produkte. Je mehr jeder Einzelne macht, desto mehr wird diese Philosophie allmählich an Terrain gewinnen.

Denken Sie, dass dies eine Frage des Angebots oder der Nachfrage ist?

Caroline Scheufele: Ich denke, beides – und auch die Kommunikation ist extrem wichtig. Wir versuchen, unsere „Reise zu nachhaltigem Luxus“, wie unser Slogan lautet, medial bestmöglich zu verbreiten.  Je mehr Menschen darüber sprechen und ein diesbezügliches Bewusstsein entwickeln, desto größer wird die Nachfrage. Dadurch steigt wieder das Angebot, was wiederum mehr Menschen den Zugang zu diesen Produkten ermöglicht.

Und wie haben Ihre Kundinnen und Kunden auf die erste nachhaltige Kollektion reagiert?

Caroline Scheufele: Die ersten Schmuckstücke aus ethischem Gold, eine Diamantmanschette und dazu passende Ohrringe, wurden gleich nach ihrer Präsentation von einer koreanischen Schauspielerin gekauft. Dies bestätigte für mich, dass wir mit der „Green Carpet Collection“ den richtigen Weg eingeschlagen haben. Wenn ich jetzt Zeit im Atelier und in unserer Haute Joaillerie verbringe, sehe ich so viele Handwerker, die Tag für Tag mit Leidenschaft arbeiten. Sie erzählen gerne über unsere Initiativen zu nachhaltigem Luxus und wie stolz sie sind, Teil des Projekts zu sein. Wir haben also einen langen Weg zurückgelegt und haben noch viel zu tun, aber Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Was genau ist die Green Carpet Collection?

Caroline Scheufele: Innerhalb der Haute Joaillerie Red Carpet Collection, die jedes Jahr in Cannes eingeführt wird, gibt es einen Bereich, den wir „Green Carpet“ nennen. Dieser umfasst Modelle aus 100 Prozent ethischem Gold sowie Edelsteinen aus verantwortungsbewussten Quellen. Diamanten zählen ebenso dazu wie Smaragde, Paraiba-Turmaline oder schwarze Opale. Jedes Jahr versuchen wir, das Projekt zu erweitern und der Sammlung einen neuen Stein hinzuzufügen, aber wir sind abhängig von der Nachhaltigkeit der Minen, von denen wir unsere Edelsteine beziehen.

Chopard Green Carpet Collection

Die Green Carpet Collection wird aus nachhaltigem Gold gefertigt

Wie glauben Sie, dass sich der Stellenwert von Luxus, insbesondere bei Schmuck, zukünftig entwickeln wird?

Caroline Scheufele: Hochwertiger Schmuck, handgefertigt in Manufakturen und Ateliers, trägt eine Handschrift, hat eine Geschichte und meines Erachtens noch sehr viel Potenzial und eine exzellente Zukunft vor sich. Ein Schmuckstück erinnert oft an einen besonderen Moment im Leben, und es spiegelt die Persönlichkeit und die Individualität seiner Trägerin. Viele Kundinnen haben auch genaue Vorstellungen und Ideen und wünschen sich ein „maßgeschneidertes“ Schmuckstück, sogenannte „Bespoke Jewelery“,  die unsere Goldschmiede im Haute-Joaillerie-Atelier dann in die Realität umsetzen.

Was sind Ihre besten Erinnerungen an Cannes aus all den Jahren?

Caroline Scheufele: Ich habe so viele, ich könnte ein Buch schreiben oder einen Film machen. Es gibt viele fröhliche Anekdoten und lustige Geschichten, und ich habe mir oft gedacht, dass es großartig wäre, wenn ein Regisseur einen Film drehen könnte, während das Festival tatsächlich stattfindet! Ein Film über alles, was offiziell, aber vor allem hinter den Kulissen in den verschiedenen Hotels passiert: das Drama, das Glück, das Lachen. Das erste Jahr, in dem ich hier war, war ich im Majestic in einem kleinen Raum mit einem kleinen Safe, und niemand kannte Chopard wirklich, also brachte ich Schweizer Schokolade mit und legte sie in alle Zimmer. Dann war da diese Schauspielerin, die, als ich ihr den Schmuck zeigte, sagte: „Also bist du diejenige, die die Schokolade macht, oder?“ Ich sagte: „Nein! Wir machen Schmuck!“ Diese Erinnerung blieb mir ebenso erhalten wie das erste Mal, als ich auf dem Roten Teppich ging – eine atemberaubende Erfahrung.

Haben Sie eine Lieblingsgoldfarbe? Falls ja, welche und weshalb?

Caroline Scheufele: Ich liebe alle drei Goldfarben und kombiniere sie auch gerne miteinander. Die Farben der 18-Kt-Goldlegierungen, die in unserer eigenen Goldschmelze in Genf entstehen, schmeicheln übrigens allen Hauttönen.

Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis der Rote Teppich vollständig grün ist?

Caroline Scheufele: Das ist etwas, das wir anstreben müssen! Wenn Sie nur halbe Maßnahmen ergreifen, werden Sie niemals Grenzen überschreiten. Es lohnt sich, die Messlatte super hoch zu legen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber zumindest gehen ihn schon einige kreative und erstaunliche Marken.

Was sind Ihre persönlichen Hoffnungen und Wünsche für die Zukunft?

Caroline Scheufele: Dass mehr und mehr Regierungen in der Welt Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Sicherheit ermöglichen und die Notwendigkeit von Nachhaltigkeit erkennen und umsetzen. Das gibt jungen Menschen die Möglichkeit, zu lernen, zu erneuern und sich selbst eine bessere Zukunft zu erschaffen. Gestern las ich folgendes Zitat, das mir im Gedächtnis bleiben wird: „Die Zukunft ist noch nicht geschehen. Wir erschaffen sie gerade gemeinsam in der Gegenwart. Das bedeutet, dass jede gerade lebende Person eine Gelegenheit hat, eine positive Rolle in der Zukunft zu spielen.“


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